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Valkaama-Review: Poesie in filmischer (Open-Source-) Form

Fotografie & Film Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2010 Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
Schlagworte: Film, Kino, Kritik, Open Source, Rezension, Valkaama

Vor ein paar Tagen wurde die fertige Version von Valkaama veröffentlicht, einem der wenigen Open-Source-Filme in Spielfilmlänge. Ich habe mir ihn angesehen und möchte meine Gedanken dazu hier zu "Papier" bringen. Viel Spaß bei meiner Rezension!

Die Basics: Was ist ein Open-Source-Film?

Open-Source ist ein Konzept, das aus der Software-Entwicklung bekannt ist: Dabei wird der Programmcode, der in kommerzieller Software so etwas wie der heiligste Heilige Gral oder das geheimste Betriebsgeheimnis ist, der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Jeder kann ihn sich ansehen oder verbessern. In der Praxis bewirkt das, das Open-Source-Software meist kostenfrei verwendet werden kann, ohne an Leistungsfähigkeit einzubüßen, da sie von der Community stets weiterentwickelt wird.

Filme wie Valkaama übertragen das Open-Source-Prinzip auf die Filmproduktion. Regisseur Tim Baumann hat dazu eine Diplomarbeit geschrieben und die Idee in dem Projekt umgesetzt. Das bedeutet, dass die Lizenz zur Verwendung des Films sehr frei ist (Creative Commons BY-SA), alle Bestandteile des Films zur Verfügung gestellt werden und Vorabversionen mit der Community diskutiert wurden. Tim sprach Markus von Netzpolitik ein paar Antworten zum Thema ins Mikrofon.

Die Story: rastlos von Ort zu Ort (und im Leben)

Screenshot des Valkaama-Filmposters
Filmposter von Valkaama

Valkaama erzählt von Reisen, Träumen und dem Erwachsen-Werden. Lasse reist seit Jahren durch die Welt und bringt seine Gedanken in Gedichtform zu Papier. Dabei lernt er seine Freundin Rune kennen, bei der er einige Zeit verbringt, um sie dann jedoch zu verlassen. Er möchte sich mit seinem Freund Ari auf die Suche nach Valkaama begeben, einer idealen Gemeinde im Norden Finnlands, fernab der Zivilisation.

Die dritte Hauptperson, Magnus, geistert durchs Internet und sucht nach Menschen, die Suizidgedanken haben – um ihnen dann dabei zu helfen. Sein letztes Opfer wird Ari. Magnus schließt sich Lasse auf seiner Reise an, um in Valkaama sein Leben zu verändern. Unterdessen sucht Rune nach Lasse, ihrer verlorenen Liebe. Als die drei zusammentreffen, entscheidet sich ihr Schicksal – aber anders, als von jedem vorhergesehen.

Die Ästhetik: Poesie "auf Celluloid" gebannt

Valkaama ist ein sehr poetischer Film. Passend zu seinem Hauptdarsteller, dem nachdenklichen Lasse, erzählt der Film in langen Einstellungen von der Reise. Dabei entstehen Landschaftsaufnahmen aus Finnland, die Tim Baumann lange stehen lässt und die den Zuschauer mit auf die Reise in die gelobte Zukunft nehmen. Auch die Story an sich entwickelt sich in einem langsamen, poetischen Tempo, wenn sich erst nach und nach die Verkettung der drei Hauptdarsteller ergibt.

Still aus dem Film
Szene aus dem Film

Ästhetisch umgesetzt wird das Ganze durch einen inspirierten Umgang mit den filmischen Mitteln. Der Regisseur setzt, gerade am Anfang, auf eine Farbsymbolik, in der er Lasses und Magnus' Leben in ihrer Unterschiedlichkeit zum Ausdruck bringt. Auch später, als er die Geschichten der beiden zusammenbringt, spielt er mit Farbgebung und Sättigung, um die Gefühle seiner Darsteller zu visualisieren. Unvergessen bleibt mir zudem das lange Fade-Out, in dem er Magnus in den Inari-See aufgehen lässt – gleichsam ins Vergessen.

Fazit

Der Begriff "Valkaama" setzt sich aus den beiden finnischen Worten für Heimat und Polarnacht (valkama und kaamos) zusammen und bringt damit sehr schön die Thematik des Films zwischen Seine-Bestimmung-Finden und Reise auf den Punkt. Die Schwäche des Films könnte dabei zugleich seine Stärke sein: Beim ersten Anschauen hatte ich den Eindruck, dass der Höhepunkt zu schnell kam, zu wenig ausgearbeitet wirkt – was durch die schnellen Weißblenden noch verstärkt wurde. Nach dem langsamen Erzähltempo hatte ich hier das Gefühl, durch die Auflösung regelrecht überrollt worden zu sein, und hätte mir einen länger ausgearbeiteten Höhepunkt gewünscht. Andererseits ließ mich die Kürze der Geschehnisse in einer Art "Schockzustand" zurück, so dass ich erst einmal schlucken und mir die Story noch einmal vor Augen führen musste. Genau darin kann nun die eigentliche Stärke des Films liegen: Er zwingt den Zuschauer, sich auch nach dem Schauen mit dem Gesehenen zu beschäftigen. Ich bin mir nicht sicher, welche der Lösungen ich bevorzugen würde – Meinungen dazu wie immer gerne in den Kommentaren.

Alles in allem ist Valkaama ein gelungener Film geworden, der allen empfohlen werden kann, die sich auf ein langsames, poetisches Erzähltempo einlassen können – weit weg von der üblichen Hollywood-Ästhetik.

Valkaama kann von allen frei heruntergeladen werden. Wer weiß, wie Torrents funktionieren, sollte auf die Valkaama-Torrents zugreifen und so die Serverlast verringern. Ansonsten gibt es natürlich auch eine normale Download-Version.

Update 31. August 2011: „Valkaama“ steht mittlerweile auch in HD bereit. Danke an Robert Utnehmer für den Hinweis.