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„Website-Konzeption“ (Jens Jacobsen) Buchtipp zur Konzeption von Websites

User Experience (UX) & Design Zuletzt aktualisiert: 17. März 2018 Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
Schlagworte: Jens Jacobsen, Website-Konzeption, Buch

Wie konzipiert man erfolgreiche Websites? Jens Jacobsens Klassiker „Website-Konzeption“ ist im letzten Jahr in der mittlerweile achten Auflage erschienen – und noch immer wird es seinem Status gerecht.

Ich werde immer wieder gefragt, mit welchem Buch man den Einstieg in die erfolgreiche Konzeption von Websites finden könnte. Jens Jacobsens „Website Konzeption“ dürfte der Klassiker schlechthin sein, wenn es um einführende Werke in die Webkonzeption geht – und das nicht ohne Grund. Es erschien bereits 2001 in seiner ersten Auflage und wurde seitdem regelmäßig aktualisiert – mittlerweile ist es bei Auflage 8 angekommen.

Gliederung in Konzeptionsphasen

Natürlich ist es nicht einfach, ein so komplexes Thema wie die Konzeption von Websites sinnvoll in eine Struktur zu bringen – ganz besonders angesichts der Tatsache, dass sich der Prozess zwischen verschiedenen Projekten stark unterscheiden kann. Gerade in den letzten Jahren hat sich beispielsweise ein iteratives Arbeiten immer stärker durchgesetzt. Für ein Buch wie „Website-Konzeption“ bedeuten diese Entwicklungen: Es muss Orientierung und Werkzeuge bieten, die eine Leserin in der Praxis nutzen kann, ohne ein zu strenges Raster vorgeben zu wollen – und alles das zugleich, ohne die Einsteiger durch zu viel „Es kommt darauf an“ zu verwirren.

Cover von Jens Jacobsens Buch Website-Konzeption
Standardwerk in mittlerweile achter Auflage – „Website-Konzeption“ von Jens Jacobsen

Jens Jacobsen gelingt dieser Spagat bemerkenswert gut. Er unterteilt das Thema „Konzeption“ in logische und nachvollziehbare Phasen, die nahezu immer in der einen oder anderen Form angegangen werden müssen. In jeder dieser Phasen gibt er zahlreiche Tipps, und immer wieder spricht er auch von alternativen Vorgehensweisen, wo es angemessen ist.

Diese logischen Phasen bilden auch die einzelnen Kapitel von „Website-Konzeption“:

  • Die ersten Kapitel befassen sich mit dem Briefing, bei dem die Ziele des Projekts definiert werden, sowie dem Thema Kalkulation & Angebot mit zahlreichen Ratschlägen, wie man den Aufwand einer Website realistisch einschätzen kann und daraus einen Preis kalkuliert.
  • Im Anschluss beschäftigt sich Jens Jacobsen mit der eigentlichen Website-Konzeption. Sinnvoll ist seine Einteilung in zwei Phasen. Im Grobkonzept geht es darum, grundlegende Richtungsentscheidungen zu treffen – nicht selten werden diese Schritte auch vorgezogen, weil sie das Angebot stark beeinflussen können. Im Feinkonzept geht es dann darum, die gesamte Website möglichst genau zu beschreiben – alle anderen Projektbeteiligten sollten dort finden, was sie für ihre Arbeit brauchen. In diesem Kapitel gelingt es Jens Jacobsen, auf wenigen Seiten zahlreiche wichtige Grundlagen von Usability und User Experience zu versammeln – das Kapitel eignet sich daher auch sehr gut als Einstieg in die nutzerfreundliche Gestaltung von Websites für Menschen, die damit bisher nicht in Berührung gekommen sind.
  • Das Designkonzept legt anschließend die visuelle Gestaltung fest – in diesem Kapitel finden sich auch viele Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung. Sehr gut gefallen hat mir, dass in „Website-Konzeption“ Usability-Tests als fester Bestandteil eines Projekts definiert werden – nicht selten entscheidet die nutzerfreundliche Gestaltung über Erfolg oder Misserfolg einer Website.
  • Die Umsetzung wird in die Kapitel Produktion Text (mit zahlreichen inhaltlichen Tipps sowie Grundlagen von Suchmaschinen-Lesbarkeit) sowie Produktion Grafik, HTML & Code (mit Accessibility, Responsive Webdesign und Projektmanagement) eingeteilt.
  • Im vierten Teil des Buchs widmet sich der Autor den Themen Launch (mit Qualitätssicherung und Dokumentation), dem Sammel-Kapitel PR, Inhaltspflege, Newsletter (mit sehr knapp gehaltenen Marketing-Grundlagen), Analytics-Grundlagen im Kapitel Besuchsstatistiken auswerten sowie Social Media.
  • Im letzten Teil des Buchs gibt es noch eine ganze Menge von Tipps zu verschiedenen Arten von Websites – sei es für Unternehmen, Shops, Vereine oder Bildungsangebote, um nur einige zu nennen.
Übersicht der im Text erläuterten Konzeptionsphasen
Schritte der Website-Konzeptions aus dem Buch von Jens Jacobsen

Naturgemäß wird vieles nur grob angerissen – die meisten dieser Themen füllen problemlos eigene Bücher. Das ist aber auch okay so – in einem Buch wie diesem geht es darum, in die Breite zu gehen, weniger in die Tiefe. „Website-Konzeption“ wird so zu einer Art Wegweiser, den Einsteiger immer wieder zur Hand nehmen können, um dann nach Bedarf tiefer in einzelne Themen einzusteigen. Bemerkenswert ist auch, dass der Autor die Themen so beleuchtet, dass sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer viel lernen können.

Änderungen zur vorherigen Auflage

Jens Jacobsen hat sein Werk für die achte Auflage vollständig aktualisiert und wo nötig auf den neuesten Stand gebracht. Die augenscheinlichste Neuerung im Vergleich zur vorherigen Auflage sind dabei die sechs Interviews, die Jens Jacobsen an verschiedenen Stellen eingebaut hat. Sie sind nicht nur eine willkommene Auflockerung, sondern bringen neue Perspektiven und persönliche Einschätzungen ein. Jens Jacobsen deckt daher in seinen Interviews auch eine große Bandbreite ab: Es kommen Auftraggeber und Vertreter von Agenturen zu Wort, Designer und User-Experience-Praktiker. Diese Interviews bringen immer wieder neue Ideen, über die man nachdenken sollte – beispielsweise, im Rahmen eines „lean relaunch“ zunächst die Codebasis aufzuräumen und erst im zweiten Schritt eine neue Optik auszurollen. Oder Praxiseinblicke in agile Konzeption von Websites. Und: Alle Gesprächspartner geben einen Ausblick, wie sich das Web – und mit ihm die Konzeption von Websites – bis ins Jahr 2025 ändern wird.

Es wird einen großen Wandel geben in der Branche. Die Kompetenzen wachsen weiter, viele machen das selbst, was heute Agenturen machen. Das ist aber eine Chance, weil wir noch mehr zu User Experience arbeiten können, mehr zum Erlebnis, zu den Services, die um die Site herum angeboten werden.
Wolfgang Waxenberger im Interview über die Entwicklungen im Webdesign

Fazit: Gelungenes Standardwerk

Für Einsteiger ins Thema ist „Website-Konzeption“ uneingeschränkt zu empfehlen – es gilt nicht umsonst als Standardwerk zum Thema in deutscher Sprache, und es hat mir auch bei meinem Workshop zur Website-Konzeption viele wertvolle Inspirationen geliefert.