Björn Rohles rohles.net

Strategie umsetzen Sechs Lektionen aus dem Sport

Letzte Aktualisierung: Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten Schlagworte:Strategie, Sport

Strategie scheitert in der Umsetzung, nicht auf dem Papier. Beim Sport habe ich sechs Lektionen entdeckt, die helfen, Strategie zur Realität zu machen.

Sport ist nicht nur perfekt, um gesund zu bleiben, sondern lehrt einem auch viel darüber, wie man Strategien umsetzt:

  1. Eine Organisation ist wie ein Organismus
  2. Gewohnheiten und Kontext sind wichtig
  3. Man kann nicht die ganze Zeit „all-in” gehen…
  4. … aber wenn man trainiert, fokussiert man sich und gibt alles
  5. Messen ist wichtig
  6. Die letzte Wiederholung ist der Moment der Wahrheit

Schauen wir uns diese Lektionen nun der Reihe nach an.

Sechs Strategie-Lektionen aus dem Sport

Lektion 1: Eine Organisation ist wie ein Organismus

Auf den ersten Blick scheint Sport einfach zu sein: Man fängt einfach an zu laufen. Nun, eigentlich ist es nicht so einfach. Wenn wir zu hart trainieren, können wir bestimmte Muskeln überlasten. Und unsere Körper sind komplexe Organismen. Wir haben verschiedene Muskelgruppen und müssen daher eine gute Balance in unseren Übungen finden. Wir müssen beim Sport dran bleiben, aber auch akzeptieren, dass sich der Körper an manchen Tagen anders anfühlt. Rückschläge sind Teil des Prozesses: Manchmal müssen wir uns zuerst auf eine andere Muskelgruppe konzentrieren oder sogar ein oder zwei Tage gar nicht trainieren. Aber letztendlich werden wir mit der Zeit stärker, wenn wir beharrlich bleiben und auf unsere Körper hören.

Organisationen sind lebende Organismen, wie Körper mit ihren Aufs und Abs, visualisiert durch ein Ziel auf einem Berg
Ähnlich wie bei einem lebenden Organismus verläuft die Umsetzung einer Strategie nicht geradlinig. Es gibt Höhen und Tiefen, und viele Teile müssen ausbalanciert werden.

Lektion für die Strategie-Umsetzung: Eine Organisation ist keine Maschine, sondern ein lebendiger Organismus. Sie hat viele Teile, die zusammenarbeiten und im Gleichgewicht sein müssen. Manchmal bedeutet das, dass wir uns zuerst auf einen Aspekt konzentrieren müssen. Wenn wir beispielsweise eine menschzentrierte Strategie umsetzen möchten, aber feststellen, dass andere Teams gestresst sind, können wir nicht einfach endlose weitere Anforderungen zur Verbesserung verlangen. Das ist einfach zu viel, wenn die Teams bereits überlastet sind. Aber wir könnten positive Kundenstimmen teilen: Wir zeigen auf, was gut funktioniert, und das motiviert die Teams, weiter an der Verbesserung der Arbeitspraktiken zu arbeiten. Es gibt keine gerade Linie zum strategischen Erfolg: Wir müssen akzeptieren, dass es Zeiten zum Aufladen gibt, Rückschläge und Zeiten, in denen die Organisation Widerstand zeigt. Das ist normal. Aber wir dürfen nicht los lassen. Wir müssen tun, was im Moment am besten ist, und beginnen dann wieder voranzutreiben, wenn die Zeit reif ist.

Lektion 2: Gewohnheiten und Kontext sind wichtig

Weil wir lebendige Organismen sind, verändert sich auch unsere Motivation von Zeit zu Zeit. Deshalb ist es im Sport sehr wichtig, Gewohnheiten aufzubauen. Wenn wir oft genug die mentale Energie einbringen, uns zum Sport aufzuraffen, wird sich Sport mit der Zeit natürlich anfühlen: Sport machen wird zu unserem inneren Antrieb, zu einem Teil unserer Identität. Darüber hinaus ist es wichtig, dass wir einen Kontext schaffen, in dem uns Sport leicht fällt, sei es mit Freunden, Musik oder Apps. Es ist daher ein wichtiger Schritt herauszufinden, welche Gewohnheiten und welchen Kontext wir brauchen, um Sport zu treiben. Und es gibt uns auch die Fähigkeit, unsere Umgebung so zu verändern, dass sie uns dabei unterstützt, am Ball zu bleiben.

Gewohnheiten und Kontext sind wichtig, wir müssen Umgebungen so gestalten, dass Erfolg begünstigt wird, visualisiert durch eine Trophäe.
Strategie heißt, die Umgebungen für den Erfolg zu gestalten, insbesondere unsere Gewohnheiten und Kontext.

Lektion für die Strategie-Umsetzung: Wir müssen uns immer wieder auf unsere Strategie beziehen und geeignete Methoden wie Objectives and Key Results (OKRs) nutzen, um die Gewohnheit des strategischen Arbeitens aufzubauen. Das Tagesgeschäft darf nicht von der Strategie ablenken. Sie muss der Nordstern sein. Aber irgendwann, wenn wir dies immer wieder tun, wird es natürlich sein, strategisch zu arbeiten. Auch unsere Umgebung sollten wir so einrichten, dass sie die Strategie unterstützt. Es gibt viele Möglichkeiten: Strategische Ziele mit Leistungsbeurteilung verknüpfen, andere Personen einbeziehen und gemeinsam an strategischen Zielen arbeiten, oder bewusst Zeit für die Arbeit an strategischen Zielen blocken (was bedeuten kann, die E-Mail-Benachrichtigungen auszuschalten oder sogar an einen anderen Ort zu gehen als üblich). Schaffen wir uns den richtigen Kontext, um die Strategie zur Realität zu machen.

Lektion 3: Wir können nicht die ganze Zeit „all-in” gehen…

Mehr zu tun bedeutet nicht, bessere Ergebnisse zu erzielen. Training beinhaltet Zeit für Ruhe und Erholung – dies ist die Zeit, in der sich der Körper repariert und anpasst. Ohne ausreichende Erholung besteht die Gefahr, dass die Leistung nachlässt.

Strategie braucht Zeit für Erholung, Entspannung und Reflexion, visualisiert durch einen Menschen, der Yoga macht
Erholung gehört zur Strategie dazu. Wir brauchen Zeit für Entspannung und Reflexion.

Lektion für die Strategie-Umsetzung: Strategie ist ein Marathon, kein Sprint. Anstatt unerbittlich voranzutreiben, sollten wir uns Zeit für Reflexion, Lernen und Konsolidierung einplanen. Dazu zählt: Erfolge feiern, hin und wieder verschnaufen und bewusst verlangsamen, wenn wir an etwas Neuem arbeiten oder wenn die Komplexität steigt. Das hat nichts mit faul sein zu tun: Es ist die Zeit, in der wir erkennen, was in unserer Strategie funktioniert, was nicht funktioniert und wie wir sie anpassen könnten, um wieder zu wachsen.

Lektion 4: … aber wenn man trainiert, fokussiert man sich und gibt alles

Sport bedeutet, seine Energie im Moment zu investieren. Wir geben alles und kämpfen uns durch. Natürlich müssen wir manchmal unsere Kräfte einteilen und sicherstellen, dass auch in den letzten Runden noch genug Energie bleibt. Dennoch gehen wir beim Training an unsere Grenzen. Wenn es sich leicht anfühlt und wir nach dem Training noch weitermachen könnten, war das Training wahrscheinlich nicht intensiv genug und wir sollten weitermachen.

Fokus und Einsatz bedeutet, alles zu geben, wenn es zählt, visualisiert durch einen Pfeil, der sein Ziel erreicht
Strategie heißt herauszufinden, was wirklich zählt, und dann alles zu geben.

Lektion für die Strategie-Umsetzung: Wir fragen oft: „Wie viel Aufwand sollte ich hier investieren?” Aber wenn ein Ziel strategisch ist, geben wir am besten einfach alles, was wir haben. Das erfordert Fokus: Die Energie ist begrenzt. Wir müssen sie dort einsetzen, wo es zählt. Fragen wir uns also, was wirklich einen Unterschied macht. Sobald wir das gefunden haben, heißt es: Ziehen wir es durch.

Lektion 5: Messen ist wichtig

Im Sport geht es nicht einfach darum, „mehr zu tun” oder „sich mehr anzustrengen”. Stattdessen geht es um eine sehr sensible Balance, die „progressive Überladung” genannt wird: Wir müssen aus unserer Komfortzone herauskommen, um zu wachsen, aber auch wissen, wann es genug ist. Eine solche progressive Überladung erfordert Messung. Wenn wir unseren Fortschritt nicht über relevante Metriken verfolgen (etwa Anzahl der Wiederholungen, Herzfrequenz, gehobenes Gewicht oder Tempo), wissen wir einfach nicht, ob wir Fortschritte machen. Und wir brauchen diese Informationen auch in dem Moment, in dem es darauf ankommt, während des Trainings.

Strategie braucht Messung relevanter Metriken, um die Strategie im Moment anpassen zu können, visualisiert durch eine Stoppuhr
Strategie benötigt relevante Metriken, die gemessen werden müssen. Außerdem müssen diese Metriken im richtigen Moment verfügbar sein.

Lektion für die Strategie-Umsetzung: Keine Strategie ohne kontinuierliches Messen relevanter Daten. Wir müssen definieren, was Erfolg bedeutet, relevante Metriken definieren und unseren Fortschritt konsistent überprüfen. Das ist die Feedback-Schleife für die Umsetzung von Strategien. Und wir müssen auch ein relevantes Dashboard mit aussagekräftigen und im richtigen Moment verfügbaren Daten einrichten, das unsere strategischen Ziele tatsächlich unterstützt.

Lektion 6: Die letzte Wiederholung ist der Moment der Wahrheit

Im Sport geht nicht ums Reden. Ich werde nicht stärker, schneller oder gesünder, indem ich sage, dass ich trainiere. Und wenn wir ehrlich sind, werde ich auch nicht stärker, schneller oder gesünder, wenn ich den ersten Kilometer laufe oder die ersten zwei Liegestütze mache. Das gehört dazu, aber es ist nicht das, was zählt. Was zählt, sind die Momente, in denen es anfängt wehzutun. Das sind die „Money-Reps” (kurz für „Repetitions“, also Wiederholungen). Hier kommen meine Muskeln näher an ihr Maximum. Und hier wachse ich letztendlich und stärke meinen Organismus.

Der Moment der Wahrheit ist die letzte Wiederholung, bei der das Wachstum geschieht, visualisiert durch eine Hantel
Bei Strategie zählt nicht, was wir sagen oder was wir auf den ersten einfachen Metern tun, sondern was im Moment der Wahrheit geschieht, also der letzten Wiederholung.

Lektion für die Strategie-Umsetzung: Strategie ist sehr ähnlich. Ich habe noch nie eine Organisation getroffen, die so etwas gesagt hat wie „Uns sind Kunden egal” oder „Produktqualität ist nicht wichtig”. Aber schauen wir uns die Momente an, in denen es wehtut. Geht die Organisation die berühmte zusätzliche Meile, um ihren Kund:innen das Leben zu erleichtern? Oder müssen die Kund:innen das tun? Investiert die Organisation in Produktqualität, auch wenn es die Arbeit der Organisation schwerer macht? Das sind die entscheidenden Momente, um Strategie zu verwirklichen, jeden Tag, mit jeder Wiederholung. Und das ist der Moment, in dem die Organisation letztendlich besser darin wird, sich um ihr Publikum zu kümmern.

Fazit

Diese sechs Lektionen haben mein Denken über Strategie-Umsetzung verändert. Die Parallelen zwischen Sport und Strategie sind nicht zufällig: Beides erfordert, dass wir mit lebendigen Organismen arbeiten, nachhaltige Praktiken aufbauen und unsere gesamte Energie dann einsetzen, wenn es darauf ankommt. Die Frage ist nicht, ob die Strategie gut genug ist. Die Frage ist: Sind wir bereit, die Wiederholungen zu machen?