rohles.net https://rohles.net/artikel Kirby Mon, 09 Nov 2015 00:00:00 +0000 RSS-Feed von rohles.net, der Website von Autor und Medienwissenschaftler Björn Rohles Computerspiele als Medienkunst https://rohles.net/artikel/computerspiele-medienkunst articles/computerspiele-medienkunst r Stephan Schwingeler: „Computerspiele als Medienkunst“

Stephan Schwingeler identifzierte drei Strömungen bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Computerspielen: - Anfangs wurden Computerspiele eher aus der Film- und Literaturwissenschaft betrachtet, die sie als Texte begriffen.

  • Als Gegenbewegung entstand später die kritische Spieleforschung, die verstärkt die spielerischen Aspekte der Games in den Blick nahm.
  • In Tradition der Bildwissenschaft werden Spiele als Bilder erforscht, die uns einladen, in fremde Welten einzutauchen. Stephan Schwingeler spricht hier von einem „spatial turn“ der Game Studies, durch den Spiele als navigierbare Räume in den Blick geraten.

Kunstgeschichte der Computerspiele

Stephan Schwingeler spricht beim Tag der Medienwissenschaft
Dr. Stephan Schwingeler referierte über Computerspiele als Medienkunst

Nach diesen einführenden Worten zeichnete Stephan Schwingeler eine kurze Mediengeschichte künstlerischer Computerspiele. Als erstes Spiel, das im Kontext des Kunstfestivals Ars Electronica gezeigt wurde, gilt „ArsDoom“ aus dem Jahr 1995. Kreuz von Joseph Beuys, mit dem man den Monsterköpfen zu Leibe rücken kann. Stephan Schwingeler ordnete „ArsDoom“ als „grobe Satire“ ein, die wie eine „Rache des Mediums Computerspiele am Kunstbetrieb“ wirke. Nach „ArsDoom“ etablierten sich Computerspiele ab 1995 als künstlerisches Medium. Als Gründe dafür sieht Stephan Schwingeler zum einen eine neue Generation von Künstlern, die mit Computerspielen aufgewachsen seien. Außerdem habe es eine Rolle gespielt, dass Künstler Zugang zu Computerspielen als Material erhielten.

Kleine Geschichte der Computerspiele

Die Geschichte des Computerspiels ist dabei eng mit der des Computers selbst verknüpft: „Menschen fingen an, mit Computern zu spielen, sobald sie Zugang dazu hatten.“ Bereits 1958 entwickelte William Higinbitham mit „Tennis for Two“ das wohl erste Videospiel der Geschichte. Es basierte auf einem Oszilloskop, das eigentlich dazu gedacht ist, elektrische Spannungen sichtbar zu machen – ein klassischer Hack, bei dem eine Technologie für neue Verwendungszwecke genutzt wird. Es folgte der Klassiker „Spacewar!“ auf dem frühen Computer PDP-1 aus dem Jahr 1962, das von Steve Russel entwickelt worden war. Es ist nicht nur durch seinen Pionier-Charakter, sondern auch noch in einer anderen Hinsicht wegweisend: Der Programmcode selbst war frei zugänglich und konnte jederzeit kopiert oder verändert werden.

Die einst oppositionellen Computerspiele wurden also in den 1970ern selbst zu einer Institution, gegen die KünstlerInnen erst seit den späten 90er Jahren wiederum Verfahren der Appropriation und Umwidmung einzusetzen beginnen.
Claus Pias, Zukünfte der Computer

In den 1970er Jahren entwickelt sich das Computerspiel zu einem veritablen Massenmarkt – der Programmcode ist nun geheim, in Automaten oder Module eingeschlossen. Für die Medienkunst erschwert dieser restriktive Umgang mit dem Programmcode die Beschäftigung mit dem Thema. Später jedoch entstehen Communities, die Spiele modifizieren – oft als Fan-Projekte. Der geschlossene Charakter von Computerspielen wird von Künstlern die Cory Arcangel und seinen „Super Mario Clouds“ aufgegriffen, bei dem er die Spielmodule demontiert und modifiziert. Bei „Super Mario Clouds“ bleiben so lediglich die charakteristischen Wolken des Spieleklassikers „Super Mario“ übrig – jedoch nicht als Film, sondern noch immer live vom Programm selbst erzeugt.

Künstlerische Strategien bei der Arbeit mit Computerspielen

Wie gehen Künstler nun vor, wenn sie Computerspiele als Material in der Medienkunst verarbeiten? Stephan Schwingeler identifizierte in seinem Vortrag vier Strategien:

  1. Neudekoration: Vorgefundene Spiele werden künstlerisch verändert. Das bereits erwähnte „ArsDoom“ ist dafür ein Beispiel, oder auch Hunter Jonakins „Jeff Koons Must Die!“, bei dem der Künstler einen eigenen Arcade-Automaten konstruiert hat. Aufgabe des Spielers: Kunstwerke von Jeff Koons zerstören.
  2. Reduktion und Abstraktion: Spiele werden auf grundlegende Bestandteile reduziert. Beispiele dafür wären das erwähnte „Super Mario Clouds“ oder „Mario Battle No. 1“ von Myfanwy Ashmore. Dabei wird die Spielmechanik von „Super Mario Bros.“ genutzt, jedoch in einen vollkommen neuen Kontext gesetzt: Alle Gegner, Gegenstände und Fallen sind beseitigt, so dass die Spielerfahrung eine völlig andere ist.
  3. Handlung und Performance: Bei dieser Strategie werden Spiele als Handlungen aufgegriffen – Fokus der künstlerischen Beschäftigung ist hier die Idee, dass man in Spielen handeln kann. Diese Handlungen werden für künstlerische Werke genutzt. In „dead-in-iraq“, einer Performance von Joseph DeLappe, taucht der Künstler in das Spiel „America’s Army“ ein. Das Game wurde von den amerikanischen Streitkräften zu Rekrutierungszwecken entwickelt. DeLappe nutzt es hingegen für seine Kunst, indem er als Spieler in den virtuellen Gefechten seine Waffe wegwirft und die Namen gefallener Soldaten in den Chat postet.
  4. Zerstörung: Die letzte Strategie erzeugt regelrecht unspielbare Spiele. In „SOD“ von JODI wird die Spielmechanik von „Wolfenstein 3D“ so stark verfremdet, dass nur noch Reste des Spiels erhalten bleiben. Der Bildschirm ist abgesehen von geometrischen, schwarzen Objekten weiß, aber dennoch kann sich der Spieler durch den dreidimensionalen Spielraum bewegen. Fragmente des Spiels bleiben erhalten – Geräusche oder eine punktförmige Waffe etwa. Der Spieler kann jedoch nicht wirklich sinnvoll in der Welt agieren. Damit erinnern die Künstler an andere Werke wie etwa Robert Rauschenbergs „White Paintings“ oder Nam June Paiks „Zen for Film“.

Medientheorie: Kunst mit Computerspielen zwischen Transparenz und Opazität

Schließlich ging Stephan Schwingeler auf einige medientheoretische Überlegungen zum Computerspiel ein. Normalerweise sei es die Funktion des Mediums, unsichtbar zu sein – der Spieler soll in eine Spielwelt eintauchen und sich ganz auf den Inhalt konzentrieren können. Stephan Schwingeler bezeichnet dies als Transparenz: Das Medium wird unsichtbar. Und doch gebe es immer wieder Momente, in denen ein Spiel an seine Grenzen stoße und das Medium sichtbar werde (Opazität). Die künstlerische Beschäftigung spielt oft mit diesen Gegensätzen. Im 256. Level von Pacman beispielsweise können sich die Spielfiguren buchstäblich im Programmcode verheddern. Das Programm basiert auf 8 Bit, was 256 mögliche Werte ergibt (2 hoch 8), in denen die Level gespeichert werden. Wichtig zu wissen: Die Bit-Zählung beginnt immer bei 0 (2 hoch 0 ist 0), so dass Werte von 0 bis 255 möglich sind. Eigentlich sollte das Spiel endlos sein – so lange ein Spieler noch Leben übrig hat, sollte immer wieder ein neues Level erzeugt werden – im Zweifel halt wieder der erste, wenn das finale Level erreicht ist. Ein Bug in der Programmierung sorgt jedoch dafür, dass der Level-Zähler auf 256 überspringt – der Speicher läuft über und erzeugt unsinnge Code-Aufrufe. Die rechte Hälfte wird daher mit Buchstabensalat gefüllt; in der linken wiederum gibt es nicht genug Punkte zu ergattern, um das Level abzuschließen. Wer es also so weit schafft, stellt fest: Pacman ist ein unlösbares Spiel.

Medienwissenschaftler berichten aus ihrem Beruf

Neben dem inspirierenden Hirnfutter über Computerspiele als Medienkunst gab es auch handfeste Tipps für den Berufseinstieg. Zu Gast waren die beiden Alumni Lisa Keimburg von den Medienanstalten und Julian Ermert von der Agentur zebralog (Bonn).

Jugendmedienschutz und Bürgerbeteiligung

Lisa Keimburg arbeitet als Referentin Jugendmedienschutz und Öffentlichkeitsarbeit und berichtete aus ihrem beruflichen Alltag, bei dem sie nicht nur Texte formulieren und die Website pflegen müsse, sondern auch mit einen großen Teil Projektmanagement betraut sei. So gehe es darum, Aufträge zu vergeben und zu prüfen, Veranstaltungen zu organisieren und Messeauftritte zu planen. Julian Ermert erläuterte aus der Arbeit bei einer forschungsorientierten Agentur. Zebralog habe sich crossmedialen Projekten der Bürgerbeteiligung verschrieben. Sein Tätigkeitsspektrum umfasse dabei die Konzeption, Redaktion und Kommunikation quer zu allen Tätigkeiten rund um das Thema Bürgerbeteiligung. Auch hier spiele Projektmanagement eine zentrale Rolle.

Drei Referenten auf der Bühne
Lisa Keimburg und Julian Ermert berichteten aus ihrem beruflichen Alltag, moderiert von Christof Barth

Most wanted: Projektmanagement

Projektmanagement war dann auch ein Thema, das aus Sicht beider Referenten im Studium zu kurz käme. „Es gab viel, was ich in blutigen Nasen lernen musste“, erläuterte Julian Ermert mit einem Augenzwinkern. Doch sei Projektmanagement außerhalb der praktischen Arbeit schwer zu vermitteln, weil der Kontext stimmen muss. Das Studium hat nach Ansicht beider Referenten jedoch viele wichtige Fähigkeiten vermittelt. Lisa Keimburg hob hervor, dass sie an der Universität gelernt habe, selbstständig zu arbeiten und sich ein Thema zu erarbeiten. Zudem sei Grundlagenwissen zum deutschen Mediensystem, zum Verhältnis von Medien und Politik sowie Medientheorien wertvoll gewesen. Explizit nannte sie auch ihre Erfahrungen im Rezeptionslabor. Es sei wichtig zu wissen, wie Inhalte von den Menschen rezipiert werden. Julian Ermert pflichtete ihr bei und erläuterte, dass das Recherchieren in ungekannten Themengebieten sehr wichtig ist. „Neulich musste ich mich in kürzester Zeit darin einarbeiten, welche Arten von Deponien es gibt – da muss man fokussiert riesige Dokumente durcharbeiten“, erzählte er. Strukturelles Denken sei wichtig, etwa die Frage, welche Akteure miteinander interagieren. Seine Aufgabe sei es, schwierige Dinge verständlich darzustellen.

Tipps für den Übergang zum Beruf

Auffällige Gemeinsamkeit: Beide Referenten beschrieben, dass der Übergang von Studium zum Arbeitsleben fließend war. Lisa Keimburg beendete ihre Magisterarbeit, während sie bereits eine Trainee-Stelle innehatte. Julian Ermert erzählte, dass er schon während seiner Masterarbeit für zebralog gearbeitet habe. Lisa Keimburg hob jedoch hervor, dass es auch nicht weiter ungewöhnlich sei, wenn man nach dem Studium eine gewisse Zeit benötige, bis man im richtigen Beruf unterkommt. „Bei vielen meiner Freundinnen konnte ich das beobachten – doch sie sind alle in guten Jobs gelandet“, machte die Medienwissenschaftlerin dem Nachwuchs Mut. Auch solle man auf die teilweise langen Vorlauffristen bei Bewerbungen achten und sich ruhig auch schon während der Examensphase bewerben. Natürlich spürt man den Übergang ins Berufsleben. „Im Studium ist man sehr flexibel, im Beruf jedoch durch die Bürostruktur stärker festgelegt“, erzählte Lisa Keimburg. „Ich habe mir schon während der Magisterarbeit eine Struktur geschaffen und feste Arbeitszeiten eingehalten – aber ich kann mir vorstellen, dass es Menschen sicher schwerer fällt, die gerne nachts arbeiten.“ Für Julian Ermert sei es die größte Umstellung gewesen, sich prägnanter und kürzer zu fassen. „Oft hat man für ein Konzept nur wenige Tage Zeit, bevor ein Kollege daran weiterarbeitet. Da muss man auf den Punkt kommen.“ Effektives Arbeiten und ein selektiver Blick auf das Wesentliche seien daher wichtig. ### Lohnt sich der Master?

Lässt man es beim Bachelor oder setzt man einen Master drauf? Julian Ermert beobachtet, dass der Master die Regel ist, wenn er auch nicht zwingend notwendig sei. Jedoch rage das Zweitstudium immer stärker in den Berufsalltag hinein und biete die Möglichkeit, sich zu spezialisieren. Überhaupt solle man im Berufsleben stärker auf seinen Bauch und die Gelegenheiten hören, die sich bieten. „Ein Stück weit ist es natürlich Schicksal, wo man landet – aber man kann es in die gewünschte Richtung beeinflussen, wenn man über ein Thema geht“, erklärte Julian Ermert. So sei es wichtig, sich in einem Thema eine Expertise aufzubauen, die am Markt gefragt ist. „Das heißt nicht, dass man Scheuklappen haben darf – man soll überall hinein schnuppern, aber auch immer wieder zu seinem Markt zurückgehen.“

Ehrung der Absolventinnen und Absolventen

Schöne Tradition mittlerweile ist die alljährliche Ehrung der aktuellen Absolventinnen und Absolventen, ob im Bachelor, Master oder auch noch Magister. Es würde endgültig den Rahmen dieses Beitrags sprengen, jedes Thema so zu würdigen, wie es es verdient hätte – ich war beeindruckt von der Bandbreite, die in den Arbeiten abgedeckt wurde.

Stolze Absolventinnen und Absolventen zeigen ihre Zertifikate
Ehre wem Ehre gebührt: die Absolventinnen und Absolventen der Medienwissenschaft 2015

Einige Eindrücke von der Ehrung findet ihr hier:

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Animationen im Webdesign https://rohles.net/artikel/animationen-webdesign articles/animationen-webdesign r Animationen im Webdesign waren lange Zeit negativ besetzt, als die Nutzer bei zahlreichen Websites zunächst auf „Skip Intro“-Links klicken mussten. Heute sind bewegte Elemente jedoch fester Bestandteil von nutzerfreundlichem Webdesign. Wer sich über die Animationen ein wenig Gedanken macht, bekommt nicht nur ein wirkungsvolles Gestaltungsmittel, sondern verbessert die User Experience seiner Nutzer.

Digitale Produkte wie Websites und Apps leben von ihrem Design: Es ist die grafische Benutzeroberfläche, die sämtliche Funktionen erreichbar macht. Design ist daher nicht nur die Verpackung, sondern ein zentraler Teil der User Experience.

Design is not just what it looks like and feels like. Design is how it works.“
Steve Jobs

Die breite Browser-Unterstützung von CSS3 bietet mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, im Webdesign mit bewegten Elementen zu arbeiten ohne auf JavaScript oder Plugins wie Flash angewiesen zu sein. Damit wird es auch für Webdesigner immer wichtiger, sich damit zu beschäftigen, wie eine Gestaltung auf die Aktionen der Nutzer reagiert – und was diese davon halten.

Transitionen und Animationen

Mit CSS3 gibt es prinzipiell zwei Verfahren, um Bewegung in Ihr Layout zu bringen: Transitionen und Animationen.

Transitionen: CSS-Transitionen sind weiche Übergänge zwischen verschiedenen Zuständen von Elementen. Dabei wird mit der CSS-Eigenschaft „transition“ festgelegt, welche Eigenschaft verwendet werden (alternativ steht das Schlüsselwort „all“ für alle Angaben) und wie lange der Übergang dauern soll. Zudem lässt sich ein zeitlicher Verlauf festlegen sowie eine Verzögerung setzen. Der zeitliche Verlauf bestimmt Charakter und Ablauf der Transition. Damit definieren Sie, wie natürlich sich die Transition anfühlt. Es stehen zur Auswahl:

  • ease = langsamer Beginn, dann schnell, zum Ende hin wieder langsam
  • linear = konstante Geschwindigkeit während der gesamten Transition
  • ease-in = langsamer Beginn, dann schnell
  • ease-out = schneller Ablauf, langsames Ende
  • cubic-bezier = Definition einer eigenen Verlaufskurve

Mit dem folgenden Snippet verwandeln Sie beispielsweise die Hintergrundfarbe eines Buttons sanft in einen anderen Farbton, während ein Nutzer mit der Maus darüberfährt oder den Button mit der Tastatur fokussiert. Solche Transitionen können natürlicher und angenehmer wirken als plötzliche Farbwechsel.


a.button { 
  background-color: #93be27; 
  transition: background-color 0.25s ease-out; 
}

a.button:hover, 
a.button:focus { 
  background-color: #6a891c; 
}

Animationen: Etwas komplexer sind CSS-Animationen, bei denen Sie die Veränderungen mittels Keyframes definieren und anschließend aufrufen (wieder mit Angabe der Dauer). Auf Wunsch lassen sich auch hier Verzögerung und Verlauf der Animation definieren. Hinzu kommen Möglichkeiten zur Steuerung der Richtung und zur Anzahl der Durchläufe. Eine gute Einführung in die Möglichkeiten von CSS-Animationen bietet Ihnen das Mozilla Developer Network. Wenn Sie Ihre Animationen nicht selbst entwickeln möchten, finden Sie beispielsweise in animate.css aus der Feder von Daniel Eden ein praktisches Hilfsmittel. Es bietet eine Vielzahl fertiger Animationen und lässt sich mittels Grunt auf die für das jeweilige Projekt benötigten Klassen begrenzen. Auf diese Weise schrumpfen Sie die 58kb große Datei (min-Version) weiter zusammen.

Das folgende Code-Beispiel zeigt die grundlegende Arbeitsweise mit CSS3-Animationen. Es ist Teil von animate.css und bewirkt einen pulsierenden Effekt, bei dem die animierten Elemente kurzzeitig vergrößert werden. Dazu definiert es eine Animation namens „pulse“ mit drei Keyframes am Anfang (0%), in der Mitte (50%) und am Ende (100%) der Animation. Die CSS-Eigenschaft transform: scale3d() vergrößert das angesprochene Element und nutzt dabei unter modernen Browsern die GPU des Rechners, um die Performance zu verbessern. Die Animation wird anschließend an eine Klasse gebunden, so dass alle Elemente, die mit dieser Klasse versehen werden, den pulsierenden Effekt verwenden können. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit enthält es nur die CSS-Eigenschaften ohne Vendor-Prefixes.


@keyframes pulse { 
  0% { transform: scale3d(1, 1, 1); } 
  50% { transform: scale3d(1.05, 1.05, 1.05); } 
  100% { transform: scale3d(1, 1, 1); }
} 

.pulse {
 animation-name: pulse; 
}

Transitionen und Animationen verfügen bereits über eine breite Browser-Unterstützung von über 80%, verlangen jedoch teilweise noch nach Vendor-Prefixes. Ältere Browser wie der Internet Explorer 8 ignorieren die Angaben. Hier sollten Sie auf statische Hover- und Focus-Effekte zurückgreifen, damit die Zustandsänderungen auch in diesen Browsern offensichtlich bleiben.

Bessere User Experience durch Animationen

Wenn die Nutzer eine Website aufrufen, sind sie dabei nicht untätig: Sie klicken Links, öffnen Akkordeon-Felder oder orientieren sich in einem Menü, indem sie die Untermenüs öffnen. Bei ihren Interaktionen erwarten sie eine passende Rückmeldung. Transitionen und Animationen spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie verdeutlichen, dass das System auf die Aktion eines Nutzers reagieren wird, überbrücken Ladephasen und verdeutlichen die Zusammenhänge zwischen den Inhalten.

Ein gutes Beispiel ist die Website von Mail First, bei der Transitionen die Orientierung erleichtern. Der One-Pager setzt auf eine Anker-Navigation, damit die Nutzer direkt zu den Sektionen springen können, und verwendet Animationen auf Basis von jQuery, um den Weg dorthin nachvollziehbar zu machen. Auf diese Weise wird es einfacher, den Zusammenhang und den Kontext der Inhalte zu verstehen. Transitionen wie diese stellen den Zusammenhang zwischen einer Aktion des Nutzers (z. B. Klicken oder Tippen) und der Reaktion des Systems her. Das ist besonders wichtig, wenn auf eine Aktion hin neue Inhalte geladen werden müssen: Gibt das Interface keine Rückmeldung, werden Nutzer schnell unsicher, ob ihr Klick richtig erkannt wurde. Eine kleine Animation kann das Vertrauen des Nutzers stärken, dass nun etwas geschehen wird. Dazu bietet sich beispielsweise an, die oft vernachlässigte Pseudoklasse :active mit veränderten CSS-Eigenschaften zu versehen – sie wird bei der Aktivierung eines Links aktiviert.


a.button { 
  box-shadow: 0 5px 0 #5c7220; 
  transition: all 0.25s ease-out; 
}

a.button:active { 
  box-shadow: 0 2px 0 #5c7220; 
  transform: translateY(3px); 
}
Normaler und aktivierter Button
Transitionen auf dem aktiven Zustands eines Buttons können den Nutzern verdeutlichen, dass ihr Klick registriert wurde

Zu einer guten User Experience gehört auch, das Interface so reduziert wie möglich zu halten. Verändert sich die Funktion eines Buttons, können Sie dies mit einer Transition verdeutlichen. Eine Möglichkeit dazu ist es, nur die Aktionen anzuzeigen, die im aktuellen Kontext sinnvoll sind. Ein gutes Beispiel bringt Adrian Zumbrunnen mit „Smart Transitions“: Ein Button mit einem Plus-Zeichen („Hinzufügen“) kann per Transitionen zu einem „x“ („Schließen bzw. Löschen“) verändert werden, wenn die Nutzer es sich anders überlegen und ein hinzugefügtes Element wieder entfernen möchten. Ein ähnliches Interface, allerdings ohne Animationen, verwendet beispielsweise Spotify in seinem Webplayer, um Songs in seiner Merkliste zu speichern.

Ladebalken mit schraffierter Füllung
Ladebalken wirken schneller, wenn man ihre Farbe oder ihre Schraffierungen animiert

Bei der Arbeit mit Animationen zur Verbesserung der User Experience sollten Sie immer ein Auge auf aktuelle Rezeptionsstudien halten. Viele dieser Studien zeigen: Bereits kleine Maßnahmen können eine große Wirkung haben. Ein Beispiel sind Ladebalken: In mehreren Studien konnten Chris Harrison und seine Kollegen zeigen, dass die Verwendung pulsierender Farben oder sich bewegender Schraffuren bewirken, dass der Ladevorgang subjektiv schneller wahrgenommen wird. Die Ladephase wirkt daher weniger störend.

Animationen als Gestaltungsmittel

Natürlich lassen sich Transitionen und Animationen auch als Gestaltungsmittel verwenden. Sie bieten sich beispielsweise dafür an, die Aufmerksamkeit von Nutzern zu steuern: Dort, wo etwas erscheint oder sich eine Bewegung verändert, werden unsere Blicke hingezogen. Fifty Three verwendet dieses Verhalten, um Aufmerksamkeit auf die Konstruktion ihres Produkts Pencil zu legen: Während die Nutzer nach unten scrollen, löst sich der Stift langsam in seine Bestandteile auf, während animierte Texte die Funktion erläutern.

Interessant werden Animationen auch bei der Arbeit mit verschiedenen Ebenen. Beim Parallax Scrolling beispielsweise bewegen sich Elemente auf den einzelnen Ebenen beim Scrollen unterschiedlich schnell. Geschickt eingesetzt lassen sich auf diese Weise interessante Effekte erzielen, wie es beispielsweise die Hochzeitswebsite des Designerpaares Jess and Russ vormacht. Scrollend erzählen sie ihre persönliche Geschichte, und dank Parallax Scrolling verwandelt sich ein Buchstabensalat schließlich in den Hinweis, dass sie sich im Internet kennengelernt haben.

Bei der praktischen Arbeit mit Parallax Scrolling helfen Technologien wie das JavaScript-Plugin Skrollr von Alexander Prinzhorn. Es erlaubt Animationen basierend auf der Scrollposition und lässt sich umfangreich konfigurieren. Verwendung findet es beispielsweise beim One-Pager „A History of Interior Design“. Die Leser erfahren hier Details zu unterschiedlichen Stilepochen. Die Übergänge zwischen diesen Epochen werden mit einer kreisförmigen Blende animiert. Diese Blenden passen gut zum illustrativen Stil der Website und machen ihren Reiz aus. Aaron Dicks, der Designer hinter dem Projekt, schreibt dazu:

Unserer Meinung nach sind es diese Animationen, die Nutzer zum Scrollen anregen. Die Statistiken sprechen für sich selbst. Von den 50.000 Page-Views in den drei Wochen seit dem Launch hat die Seite eine durchschnittliche Besuchsdauer von 3:46 Minuten.
Aaron Dicks

Die gestalterische Arbeit mit animierten Ebenen muss jedoch kein reines Stilmittel bleiben, sondern sagt auch etwas über die Wichtigkeit eines Elements aus: Je näher ein Objekt liegt, desto bedeutsamer erscheint es. Google macht in seinem „Material Design“, der Designsprache hinter der nächsten Version von Android, ausgiebig Gebrauch davon: Neben gewöhnlichen, „flachen“ Buttons (z.B. in Dialogfeldern) gibt es weitere Buttons, die über dem Design schweben. Aktiviert man sie, heben sie sich weiter nach oben – auf diese Weise lenkt man als Designer die Aufmerksamkeit der Nutzer auf die wichtigen Aktionen. Die Gestalter hinter Material Design haben sich auch Gedanken darüber gemacht, von wo und in welche Richtung sich neue Interfaces öffnen sollten – hier lohnt sich ein Blick in Googles Design-Dokument.

Button im Material Design
Visuell hervortretender Button im Material Design

Sie können die Aufmerksamkeit auch auf wichtige Elementen lenken, indem Sie sie mit einer kurzen Verzögerung auf der Website einblenden. Dieses Vorgehen unterstützt außerdem die Persönlichkeit einer Gestaltung – und der Effekt sollte demnach auch zur Designsprache einer Website passen. Die Designerin Val Head bringt dazu folgendes Beispiel: Rufen Sie eine Rubrik auf der damaligen Website von Apple auf, springt nach einer Weile ein Submenü mit den Produkten auf. Apple setzt dabei auf eine federnde, spielerisch wirkende Transition – aber passt das zu den geradlinigen Produkten und zu Apples Marke? Die Meinungen dazu gehen sicherlich auseinander (mittlerweile verwendet Apple eine andere Transition).

Keine Barrieren bauen

Als verantwortungsbewusster Webdesigner spielt bei der Verwendung von Animationen natürlich auch die Barrierefreiheit (Accessibility) eine wichtige Rolle. Animationen sollen die Nutzer unterstützen, ihnen aber keine Steine in den Weg legen. Einige Empfehlungen aus den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.0) beziehen sich explizit auf bewegte Elemente. Diese Richtlinien sollten Sie für weitgehend barrierefreie Websites berücksichtigen.

Alternativen in Textform anbieten: Alle Inhalte und Funktionen einer Website müssen als Texte vorliegen, damit sie auch für Screenreader erreichbar sind. Das ist besonders wichtig bei Animationen, die Bedeutung tragen. Tippen Sie beispielsweise bei Apples iCloud ein falsches Passwort ein, schüttelt sich das Anmeldefenster – ein interessanter Effekt, der aber nicht für alle Anwender verständlich sein muss. Apple setzt daher auf einen zusätzlichen Hinweistext, der bei der dritten fehlerhaften Eingabe erscheint.

Blinken vermeiden: Starkes Blinken von Inhalten sollte vermieden werden – diese Effekte können epileptische Reaktionen hervorrufen und haben ein großes Nerv-Potenzial.

Auf ausreichende Kontraste achten: Die unterschiedlichen Zustände von UI-Elementen sollten sich ausreichend voneinander unterscheiden. Das gilt beispielsweise bei Buttons, deren Farbe beim Fokussieren mit der Tastatur oder der Maus verändert werden soll. Zu ähnliche Farben wirken schnell zufällig und sind besonders für Menschen mit Farbfehlsichtigkeiten nicht einfach zu unterscheiden.

Nutzern ausreichend Zeit lassen: Besonders bei animierten Texten ist es wichtig, dass die Nutzer ausreichend Zeit zum Lesen haben.

Kontrolle bei den Nutzern lassen: Nutzer möchten die Kontrolle über ihre Browser behalten. Animationen sollten daher grundsätzlich nicht zu lang sein, damit sich die Nutzer nicht wie in einem Film vorkommen, den sie nicht anhalten können. Die WCAG 2.0 empfehlen eine explizite Kontrollmöglichkeit (Start, Pause, Stop) für alle Animationen, die

  • automatisch starten,
  • länger als 5 Sekunden dauern und
  • zeitgleich mit anderen Inhalten angezeigt werden.

Sinnvoll kann es außerdem sein, den Nutzern die Möglichkeit zu geben, die Animationen ganz auszuschalten. Auf diese Weise behalten die Nutzer die Kontrolle. Greg Tarnoff empfiehlt, zunächst den Endzustand aller Bewegungen zu definieren anschließend alle Animationen an eine eigene CSS-Klasse zu koppeln (z. B. „.animate“), die man einem Elternelement (z. B. „body“) mitgibt. Diese Klasse lässt sich anschließend mit einem Button im Seitenkopf und ein wenig jQuery deaktivieren.


<a href="#" id="animationOff">Animation deaktivieren</a>

$('# animationOff).on('click', function(e) { 
  e.preventDefault(); 
  $('body').toggleClass('animate'); 
} 

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst in Screenguide 24 (10-11/2014) erschienen.

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Journalismus und professionelle Medien in der Krise https://rohles.net/artikel/journalismus-professionelle-medien-krise articles/journalismus-professionelle-medien-krise r Festvortrag von Ute Schaeffer: „Teilen, posten, herrschen? – Professionelle Medien zwischen digitalem Dshihad und hybridem Krieg“
Plakat vom Tag der Medienwissenschaft 2014
Medianetz feierte 2014 sein 10jähriges Jubiläum beim Tag der Medienwissenschaft

Wichtiger Teil bei jedem Tag der Medienwissenschaft: der Festvortrag aus der Medienwelt. In diesem Jahr ist Ute Schaeffer, die stellvertretende Direktoren und Leiterin Medienentwicklung bei der Deutsche Welle Akademie in Köln, in die beschauliche Moselmetropole gereist. Ihr Festvortrag trug den spannenden Titel „Teilen, posten, herrschen? – Professionelle Medien zwischen digitalem Dshihad und hybridem Krieg“ – und spannte damit recht gut das große Spektrum ab, dass sie behandelt hat.

Wie soziale Medien als Waffe genutzt werden

Ausgangspunkt war die Frage, wie das Netz von Lobbyisten und Extremisten genutzt wird. Beispiele dafür waren die Krisen in Syrien und dem Irak sowie der Ukraine. In diesen Konflikten nehme Social Media eine neue Rolle ein. Zwei Drittel der jungen Russen informieren sich ihren Aussagen zufolge vorrangig über Soziale Medien im Netz, nicht über traditionelle Medien. Täglich schauten sie 150 Mal auf ihre Smartphones. Dies werde zur gezielten Beeinflussung eingesetzt:

  • Man folge den Gesetzen des Mediums: Twitter werde mit Hashtags geflutet, um in die Trends zu gelangen. Auf ask.fm werden Fragen beantwortet. YouTube-Videos werden in verschiedenen Fassungen hergestellt – clean für den Westen, abschreckend für die Menschen vor Ort.
  • Die Medienarbeit erfolge hochprofessionell durch eigene Medienagenturen.
  • Die Nachfrage nach kritischen Inhalten in Russland (beispielsweise von der Deutschen Welle) gehe zurück – die Menschen fühlten sich durch die staatstreuen Medien ausreichend informiert.
  • Medien werden auf diese Weise zur Waffen zur gezielten Rekrutierung und Desinformation.

Was bedeutet dies für professionelle Medien?

Die zentrale Frage, die Ute Schaeffer basierend auf diese Ausführungen stellte: Wenn in „20 Jahren niemand mehr traditionelle Medien braucht, um Nachrichten zu erhalten“ – wie sollten dann professionelle Medien reagieren? Nicht, indem sie auf reine Nachrichten setzen, womöglich noch Agentur-Meldungen nachsprechen. Ute Schaeffer spricht sich für Experimentierfreude und kompromissloses Qualitätsbewusstsein aus: „Wir sind nur eine Stimme von vielen. Im Wettbewerb dieser Stimmen können wir uns nur durch Qualität behaupten.“

Ute Schaeffer bei ihrem Festvortrag
Ute Schaeffer spricht über den digitalen Dshihad sowie den hybriden Krieg

Einige Thesen aus ihrem Plädoyer: - Die mediale Außendarstellung sollte uns etwas wert sein – gerade hier sieht sie als Vertreterin der Deutschen Welle große Defizite. Während es Anfang der 90er lediglich drei Auslandsmedien gegeben habe, seien es nun zwei Dutzend. Der DW-Etat verharre auf dem Niveau von Mitte der 90er Jahre, während der Kreml beispielsweise viele Hundert Millionen Euro in sein Auslandsmedium investiere.

  • Professionelle Medien müssen den digitalen Wandel gestalten. Der Schlüssel dazu ist Qualität und Mut, Formate und Erzählweisen neu zu erfinden.
  • Guter Journalismus muss vor Ort sein, da wo die Krise stattfindet – am besten bereits vorher.
  • Agenda Setting solle durch die Nutzer geschehen: Vertiefung und Einordnung von Themen statt bloße Nachrichten. Journalisten müssen ihre Nutzer kennen und ihre Fragen zum Leitfaden der Storys machen.

Ein interessanter Aspekt kam im Gespräch beim Abendessen auf: Neben den Forderungen nach digitaler Neu-Erfindung des Journalismus werde die Frage nach neuen digitalen Geschäftsfeldern viel zu selten gestellt. Vielleicht ein Ansatz für den Tag der Medienwissenschaft 2015? Wir bleiben dran.

Impulse aus 10 Jahren Medianetz Trier

Logo von medianetz Trier
medianetz Trier organisiert Veranstaltungen von und für die Trierer Mewis

Als Vorsitzender unseres Vereins Medianetz Trier durfte ich im Anschluss einige Worte über die Ziele des Alumni- und Studierenden-Vereins vortragen. Die Themen: Wie wir mit regelmäßigen Treffen das Netzwerken unter Medienwissenschaftlern fördern möchten, wie wir unser Wissen zurück in die Lehre tragen und Studierenden eine helfende Hand reichen – und ein Grußwort unseres Gründungsvorsitzenden gab es ebenfalls.

Podiumsdiskussion: Journalismus trotz Krise?

Journalismus steckt in der Krise – warum entscheiden sich Menschen dennoch für diesen Beruf? Bei der Podiumsdiskussion (moderiert von Michael Harnischmacher) nahmen drei junge Journalisten mit verschiedenen Ausbildungswegen teil:

  • Nelly Theobald, die noch im Master studiert, aber bereits seit geraumer Zeit als Freie Journalisten arbeitet und ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung hat
  • Bileam Bader vom WDR
  • Nathalie Stüben, die an der Deutschen Journalistenschule ist und per Telefon zugeschaltet wurde

Alle betonten den Stellenwert des Volontariats, das noch immer der sicherste Weg und oft Voraussetzung für eine Festanstellung sei. Medienwissenschaftler können mit Wissen und Mut um Darstellungsformen und den Medienwandel punkten – dies sei „ein riesiges Pfund“ (Bileam Bader). Auf eine mögliche Gefahr wies Nelly Theobald hin: Nicht immer seien Medienfachleute gefragt, denn man benötige auch Journalisten mit betriebswirtschaftlichem, juristischem oder naturwissenschaftlichem Hintergrund – Experten in ihren Themen also.

Nelly Theobald, Bileam Bader und Michael Harnischmacher bei der Diskussion
Nelly Theobald und Bileam Bader im Gespräch mit Michael Harnischmacher

Bileam Bader brachte den Gedanken ein, dass eben jene Festanstellung gar nicht das Ziel sein müsse: Die Tätigkeiten eines Redakteurs unterscheiden sich durchaus von denen eines freien Mitarbeiters, so dass sich nicht alle Menschen für eine Festanstellung entscheiden möchten. Aber: Das Business als freier Journalist sei nicht einfach, man sollte sich ein gutes Netzwerk aufbauen – Qualität alleine reiche nicht mehr aus. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Studierende bereits als Freie arbeiten – zu deutlich geringeren Gagen. Alle drei waren sich einig: Journalismus ist ein hochinteressantes Arbeitsfeld – abwechslungsreich, thematisch anregend, perfekt für neugierige Menschen. Aber: Alle betonten auch die Schwierigkeiten – man müsse bereit sein, sehr viel zu arbeiten (gerade auch zu unattraktiven Zeiten), bereits im Studium mit freier Arbeit einen Fuß in die Tür setzen, sich breit aufstellen und mit modernen Darstellungsformen punkten. Ein positives Fazit gab es trotz allem: Wer Journalist werden möchte, der finde auch einen Weg. Im Anschluss ehrten wir die aktuellen Absolventinnen und Absolventen.

Wer nachlesen möchte, was es in den letzten Jahren beim Tag der Medienwissenschaft so gab: 2011 schrieb ich über „Social Media und PR“, 2012 über das Thema „Trimedialität und die Anforderungen des Arbeitsmarkt für Medienwissenschaftler“ – na ja, und 2013 war ich wohl zu faul.

Schon heute vormerken: der „Tag der Medienwissenschaft 2015“ findet aller Voraussicht nach am zweiten November-Samstag 2015 statt.

Bilder vom Tag der Medienwissenschaft 2014

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Schnelle Ladebalken für bessere User Experience https://rohles.net/artikel/schnelle-ladebalken-user-experience articles/fast-progress-bars-user-experience r Daten schneller laden…

Logisch: Die beste Optimierung der Ladezeit ist es, sie per se möglichst gering zu halten. Daten sollten optimiert werden, so dass keine unnötigen Transfers ablaufen und die Datenmengen so klein wie möglich ausfallen. Nicht immer muss es ein hochauflösendes PDF sein, um ein Magazin abzubilden — etablierte Webtechnologien wie HTML5 und CSS3 sind deutlich sparsamer. Progressives Laden im Hintergrund hilft dabei, Inhalte schon verfügbar zu machen, bevor sie komplett geladen wurden.

Ladebalken mit zwei Markierungen – dunkel die aktuelle Abspielposition, hell die bereits geladene Datenmenge
Progressives Laden, hier am Beispiel von Apples Podcast-App auf iOS, verkürzt die Wartezeit. Nutzer können den Podcast bereits hören, obwohl er noch nicht komplett geladen ist. Mit unterschiedlichen Farben können sowohl aktuelle Abspielposition als auch Ladestand dargestellt werden.

… oder die Wartezeit möglichst angenehm machen

Nicht immer kann man Laden vermeiden — etwa, wenn größere Datenmengen nun einmal nötig sind, oder wenn ein größeres Update einer App ansteht. Manche Apps setzen in diesem Fall auf ein Ablenkungsmanöver: Während die App fleißig Daten aus dem Netz saugt, unterhalten ein kleiner Film oder ein paar einführende Screens den wartenden Nutzer. Dabei lassen sich auch kleine Informationen vermitteln, z.B. Tipps und kleine Anleitungen — wartend lernen sozusagen.

Ratzfatz geladen — dem Anschein nach

Doch auch über den Ladebalken selbst sollte man sich Gedanken machen. Der Grund: Design ist nicht nur reine Ästhetik, sondern bestimmt entscheidend, wie die Nutzer eine Website oder App wahrnehmen und wie sie damit umgehen. Design-Entscheidungen sind daher nicht nur visuelle Stilmittel, sondern steuern die Wahrnehmung der Anwender. Das kann man sich zu Nutze machen: Mit den richtigen Stilmitteln sieht es so aus, als würden die Daten schneller laden, als sie es objektiv tun. Nun könnte man natürlich einwenden, dass man die Nutzer damit hinters Licht führen würde. Aber: Im Interaktionsdesign geht es darum, eine gute User Experience (UX) zu schaffen — Nutzer sollen sich bei der Verwendung wohlfühlen. Wer also mit einem „Trick“ erreicht, dass den Nutzern die Wartezeit nicht so schlimm vorkommt, verbessert also die UX — ein sehr legitimes Anliegen. Auf in die Praxis: Wie gestaltet man sie so, dass sie so wirken, als wäre der Ladevorgang schneller? Chris Harrison und seine Kollegen haben das in mehreren Studien untersucht. Das Vorgehen: Teilnehmer bekamen nacheinander zwei verschiedene Ladebalken zu sehen und mussten anschließend sagen, welcher ihnen schneller vorgekommen ist. Selbstverständlich benötigten beide Ladebalken die gleiche Zeit (5 Sekunden) — aber das bedeutet nicht, dass die Wahrnehmung der Zeit identisch ist.

Am Puls der Zeit: pulsierende Ladebalken wirken schneller

Ein erstes Ergebnis: Pulsierende Ladebalken taugen stärker dazu, die gefühlte Wartezeit der Nutzer zu verkürzen. Pulsieren lassen kann man z.B. die Farbe des Balkens.

Ein Tipp: Noch schneller wirken Ladebalken, wenn sich die Frequenz des Pulsierens verändert — ganz besonders, wenn sie zum Ende hin zunimmt.

Bloß nicht einfarbig: Verläufe oder Schraffierung mit Bewegung verringern subjektives Zeitempfinden

Fortschrittsanzeige von OS X mit leichten Verläufen
Leichte, sich bewegende Verläufe oder Farbbereiche verkürzen die subjektiv empfundene Dauer des Vorgangs – besonders, wenn sie sich in entgegengesetzter Richtung bewegen wie der Balken selbst

Apples OS X macht es vor: Ladebalken müssen nicht einfarbig sein, sondern können aus mehreren kleinen Verläufen oder Schraffierungen bestehen, die sich bewegen. Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Farbverläufe in entgegengesetzter Richtung zum Balken selbst laufen. Und auch hier gilt: Beschleunigung der Bewegung zum Ende hin erzeugt den Eindruck, das Laden würde subjektiv schneller geschehen.

Lässt sich der Effekt messen?

Okay, mit kleinen visuellen Details wie diesen lässt sich also der subjektive Eindruck des Ladefortschritts beschleunigen. Aber lohnt sich der Aufwand wirklich? Die Antwort: Ja, unbedingt! Das lässt sich sogar zahlenmäßig belegen: Harrison und seine Kollegen haben in einer weiteren Studie untersucht, um wie viel schneller der Ladevorgang empfunden wird. Die Studienteilnehmer konnten die gesehenen Balken dabei so lange anpassen, bis sie ihnen gleich lang vorkamen. Das Ergebnis: Schraffierte Ladebalken wirken um rund 12% schneller.

Fazit: Kleine „Tricks“ für eine bessere User Experience (UX)

Gutes Interaktionsdesign lebt von Detailliebe: Mit kleinen Tricks wie einem pulsierenden Balken oder sich bewegenden Schraffierungen lässt sich die User Experience wesentlich verbessern. Zudem kann man die Wartezeit nutzen, um die Nutzerinnen mit Informationen zu versorgen. Eine Alternative, die häufig verwendet wird – besonders, wenn Daten aus dem Netz nachgeladen werden und die Dauer nicht so einfach vorherzusehen ist: ein einfacher Lade-Indikator in runder Form, der sich fortwährend dreht – aber das ist ein anderes Stilmittel mit anderen Anwendungsfällen.

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Überlegt zu einer guten User Experience https://rohles.net/artikel/webkonzeption-grundlagen-teil2 articles/website-concept-basics-part2 r Informationsarchitektur festlegen

Bei der Informationsarchitektur geht es darum, wie die Inhalte gegliedert und auf der Website verteilt werden können. Ziel ist es, dass die Nutzerinnen finden sollen, was sie suchen. Dabei werden häufig verschiedene Gliederungsmöglichkeiten miteinander kombiniert.

Beispiele für Gliederungsmöglichkeiten

Paypal verwendet beispielsweise eine zielgruppenspezifische Gliederung im Seitenkopf, um zwischen Privat- und Geschäftskunden zu unterscheiden. Hat der Nutzer den für ihn relevanten Bereich ausgewählt, folgt eine weitere Gliederungsebene mit einer aufgabenspezifischen Gliederung — so wählen die Nutzer je nach ihrem individuellen Einsatzzweck von Paypal zwischen „Kaufen“ und „Verkaufen“. Andere Navigationsmöglichkeiten sind in einen Bereich namens „Mehr entdecken“ ausgelagert, der von der übrigen Navigation räumlich abgesetzt ist.

Wie wichtig diese Absetzung sein kann, zeigt ein Beispiel von der Canon-Website. Dort wird eine zielgruppenspezifische Navigation („Consumer“ und „Business“) mit einer aufgabenbezogenen Gliederung („Produkte & Lösungen“ und „Support“) innerhalb einer Navigation ohne räumliche oder grafische Trennung kombiniert. Durch die unklare Unterscheidung kann ein Nutzer verwirrt werden:

  • Muss ich auf „Produkte“ oder „Consumer“ klicken, wenn ich einen Drucker brauche?
  • Finde ich unter beiden Punkten die gleichen Drucker?
  • Ich bin Freiberufler und arbeite von Zuhause — bin ich eher „Consumer“ oder „Business“?

Bei der Beurteilung, wie problematisch diese Fragen sein können, helfen die erstellten Personas. Evaluieren lässt sich die Navigation mittels eines einfachen Nutzer-Tests.

Kognitive Last

Wie viele Punkte sollte eine Navigation denn haben, damit sie einen Nutzer nicht unnötig verwirrt? Entscheidend sind die Nutzungsabsichten und -erfahrungen. Ein gutes Beispiel sind Nachrichtensites wie Zeit oder Spiegel: Bei diesen Sites sind wir gewohnt, zu verschiedensten Themen etwas zu finden, und wir können diese Themen intuitiv benennen. Es ist wichtig, dass diese Begriffe dort auftauchen — es wäre kontraproduktiv, eine Oberkategorie wie „Modernes Leben“ oder gar „Sonstiges“ einzufügen und Ressorts wie „Netzwelt“, „Wissenschaft“ oder „Gesundheit“ dort einzusortieren, nur weil man sonst über neun Punkte kommt.

Der Grund für diese Erkenntnis: Man sollte die kognitive Last des Nutzers möglichst klein halten. Mehrere leicht fallende Klicks sind besser als wenige, über die man lange nachdenken muss.

Card Sorting

Proband sortiert Karteikarten
Card Sorting lässt sich sehr gut mit Probanden aus der Zielgruppe durchführen

Lizenz: Ben Sorting Cards von Danny Hope, CC BY

Ein einfaches und schnelles Verfahren, um eine sinnvolle Informationsarchitektur zu erzeugen, ist das Card Sorting: Dabei schreibt man die Begriffe von Inhalten auf Karteikarten und sortiert sie neben- und untereinander an. Die Stärke des Verfahrens liegt neben seiner Schnelligkeit darin, dass man es sich gut mit Probanden aus der eigenen Zielgruppe durchführen kann – auf diese Weise lässt sich leicht evaluieren, wie sie die Informationen anordnen würden.

Navigationskonzept bedenken

Unter einem „Navigationskonzept“ versteht man unterschiedliche Funktionen, die eine Navigation übernehmen kann. Einige der wichtigsten Möglichkeiten sind:

  • globale Navigation: Diese Navigation wird häufig auch „Hauptnavigation“ genannt, weil sie von allen Seiten aus erreichbar ist – unabhängig davon, wie tief man sich gerade in einem Strukturbaum befindet.
Navigationsbaum, von dem die Hauptnavigation jederzeit zu erreichen ist
Bei der globalen Navigation handelt es sich um Navigationspunkte, die von jeder Seite aus erreichbar sind.
  • lokale Navigation: Diese „Subnavigation“ findet innerhalb eines Strukturbaums statt. Lokale Navigation verdeutlicht die Zusammenhänge innerhalb eines Baums und erlaubt die Navigation nach oben und unten. Ein Springen zwischen verschiedenen lokalen Navigationen ist jedoch recht umständlich, weil man erst durch den gesamten Navigationsbaum hindurch muss.
Strukturbaum, bei dem eine Navigation nach oben und unten möglich ist
Die lokale Navigation erlaubt das Fortbewegen innerhalb eines Strukturbaums.
  • ergänzende Navigation: Bei diesem Navigationskonzept handelt es sich um Abkürzungen zu besonders wichtigen oder häufig gesuchten Inhalten. Sie können durchaus in unterschiedlichen Bereichen liegen. Größte Herausforderung: sicherstellen, dass die ergänzende Navigation deutlich von der lokalen abgesetzt ist und Orientierung für den Nutzer sicherstellen, wenn er plötzlich in einem ganz anderen Bereich der Website landet.
Strukturbaum mit Abkürzungen zu anderen Bereichen
Die ergänzende Navigation enthält Links zu wichtigen Inhalten – unabhängig von ihrer Position auf der Website.

Interaktionen gestalten

Beim Interaktionsdesign geht es um die Frage, wie der Nutzer mit der eigenen Website interagiert. Darunter fällt die Entscheidung, auf welche Bedienelemente zurückgegriffen wird, beispielsweise in Formularen.

Nutzer über Interaktionsdesign führen

Interaktionsdesign ist die bewusste Gestaltung, wie eine Nutzerin die interaktiven Elemente auf der Website oder in der App verwendet. Ein Beispiel ist die Gestaltung von Buttons. Sowohl Paypal als auch Google Analytics betonen die Buttons, die ihre Nutzerinnen zum Anlegen neuer Konten verwenden können — der Akquise neuer Nutzerinnen wird also der Vorzug gegeben. Warum? Neue Nutzerinnen kennen den Nutzen von Paypal oder Google Analytics noch nicht — man will das Anmelden also so einfach wie möglich machen. Bestandskunden sind hingegen eher vom eigenen Service überzeugt, so dass es vertretbar ist, sie etwas in den Hintergrund zu rücken.

Es gibt jedoch auch deutliche Unterschiede: Paypal verwendet einen zweiten, unauffälliger gestalteten Button, mit dem sich die bestehende Nutzerinnen einloggen können, und zeigt die Eingabefelder für Benutzername und Passwort direkt daneben an. Google Analytics setzt dagegen auf einen einfachen Link, der zum Account führt. Solche Design-Entscheidungen sind nicht rein ästhetischer Natur, sondern entscheiden maßgeblich über die Nutzererfahrung (User Experience, UX).

Umgang mit Fehlern

Gutes Interaktionsdesign bedenkt auch, wie mit Fehlern umgegangen wird — und was überhaupt als Fehler betrachtet wird. Ein Beispiel ist mir vor einiger Zeit auf der Website des Buchhändlers Thalia aufgefallen. Legt man dort einen Account mit seiner Adresse zum Bestellen an, versucht das System hilfreich zu sein: Aus irgendwelchen Gründen möchte man, dass die „Hauptstraße“ (oder eine andere Adresse, die aus „-straße“ endet) unbedingt „Hauptstr.“ heißt, und korrigiert dies automatisch. Anstatt den Nutzer jedoch zum nächsten Schritt zu führen, unterbricht man seinen Anmeldevorgang mit einem Hinweis in roter Schrift. Das ist nicht ideal: rote Farbe bedeutet „Fehler“, und auch der Text lautet, die Eingabe sei „fehlerhaft“ — dabei liegt der Fehler eher auf der Seite des Systems, das mit dem scharfen S nicht klarkommt. So etwas kann den Nutzer verwirren und im schlimmsten Fall zum Abbruch des Bestellvorgangs führen.

Interaktionsdesign ist ein komplexes Feld, das ich an dieser Stelle nur anreißen kann – mehr zum Thema lest ihr in Zukunft.

Wireframes anlegen

Zum Schluss noch ein Tipp für die praktische Arbeit während der Konzeption: Bevor man die konkreten Design-Entwürfe anlegt, bietet sich zunächst die Arbeit mit Wireframes an. Dieses sehr schematische Hilfsmittel hilft dabei, sich zunächst nur auf die Strukturen, Interaktionen und grundlegenden Nutzererfahrungen zu konzentrieren. Im Idealfall erzeugt man so funktionelle Prototypen, die man sogar mit Probanden aus der Zielgruppe evaluieren kann.

Einfaches Wireframe der Startseite einer Website
Wireframes erlauben es, funktionale und strukturierende Design-Entscheidungen ohne Ablenkung von Gestaltungselementen zu treffen.

Für Wireframes gibt es spezialisierte Software und Tools, die fertige Designelemente vordefinieren und so die Arbeit stark vereinfachen. Einige meiner persönlichen Favoriten sind:

  • Moqups: einfache Wireframes im Web, in der Grundversion kostenfrei
  • Balsamiq Mockups: Wireframes im Web (12 $ pro Monat) oder als Desktop-Anwendung (OS X, Windows, Linus; 79 $)
  • Pencil: Open-Source-Wireframe-Software für Mac, Linux und PC

Anmerkungen oder Fragen? Schreibt mir gerne.

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Blogger-Ethik aus Nutzersicht https://rohles.net/artikel/blog-ethik-nutzersicht articles/blog-ethics r In der Erforschung der Nutzerfreundlichkeit von Websites und Anwendungen hat es sich als sehr fruchtbar erwiesen, den Blick seines Nutzers einzunehmen – dies möchte ich hier einmal in Form von drei Thesen für die Ethik beim Bloggen versuchen. Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Blogger und Ethik“.

Respekt zollen und Austausch fördern

Blogs sind keine Sackgassen: Leser sollten Links zu Quellen, Inspirationen und weiterführenden Informationen erhalten, um den Austausch untereinander zu fördern und respektvoll miteinander umzugehen.

„Netz“ kommt von „Vernetzen“. Leserinnen profitieren sehr von einer starken Vernetzung von Blogs untereinander. Der Link ist die Ader, die das Netz am Leben hält – noch nie war es einfacher, seinen Lesern die eigenen Quellen offenzulegen. Das ist ein Dienst am Leser, dem ihr eine wertvolle Informationsquelle empfiehlt. Von Empfehlungen profitiert auch der Autor selbst: Ein aufmerksamer Leser wird sich daran erinnern wird, von wem er einen Tipp bekommen hat. Kuratieren ist eine selbstverständliche Form der Content-Erstellung mit großem Mehrwert. Dabei werden interessante Inhalte zusammengetragen und kommentiert – das ist weit entfernt von Content-Klau.

historisches Foto – Junge schreibt von einem anderen ab
Abschreiben ist tabu – Respekt zollen und Bezug nehmen jedoch nicht

Lizenz: Pen en Paper, ohne Urheberrechtsbeschränkung von Nationaal Archief

Einen Beitrag zu verlinken, dem man eine Inspiration verdankt oder einen Gedanken, den man weiterführen oder anfechten möchte, bedeutet auch: Ich zolle anderen Autoren und Bloggern Respekt, die mich beeinflusst haben. Das fördert den Austausch untereinander. Wer möchte, kann mit Hilfe von freien Lizenzen (z.B. Creative Commons) den kreativen und wissensbasierten Austausch untereinander weiter fördern. Dahinter steht der Gedanke: Wenn ich von der Community profitiere, etwa indem ich eine freie Software wie WordPress verwende, was kann ich tun, um der Community etwas zurückzugeben?

Meinungen sind gut, man sollte sie nicht verstecken

Blogs sind meinungsbetont. Das ist keine Schande, sondern eine Chance – so lange den Lesern klar ist, was Meinung ist und die Grenzen von Meinungsäußerungen eingehalten werden.

Blogs sind meinungsbetonte Medien. Das ist eine ihrer größter Stärken. Denn Meinung ist sehr gut: Ohne Meinungen kann keine Diskussion geführt werden, oft entstehen neue Ideen und Meinungen nur durch einen Meinungsaustausch. Man darf (und sollte) geteilter Meinung sein – dazu muss ein Leser jedoch wissen, dass es sich um eine Meinung handelt. Im Journalismus ist das über die Textform formalisiert. Kommentare und Rezensionen sind natürlich Meinungen des Journalisten selbst. In berichtenden Textformen hingegen bemüht sich der Journalist um einen neutralen Standpunkt:

  • Meinungsäußerungen werden Personen zugeordnet, zum Beispiel den handelnden Akteuren.
  • Keine Meinung ohne Gegenmeinung – wenn es eine Diskussion gibt, sollten auch alle Seiten gleichberechtigt zu Wort kommen.
  • Tatsachen und Meinungen werden streng getrennt, beispielsweise durch den Konjunktiv bei ungeprüften Aussagen: „Von Seiten der Veranstalter hieß es, es seien 500 Personen anwesend gewesen.“

Textformen aus dem Journalismus finden sich natürlich auch in Blogs, beispielsweise bei Rezensionen – in diesen Fällen ist klar, dass es sich um Meinungen handelt. In den anderen Fällen schreibt man einfach, was Meinung ist. Gegen ein einfaches „Ich finde, dass…“ ist in Blogs nichts einzuwenden, vielmehr zeugt es von großer Professionalität und wirkt ungemein erfrischend. Schließlich ist Meinung jedoch kein Freifahrtsschein. Meinungen dienen einem respektvollen, sachlichen Austausch miteinander. Beleidigungen, Unwahrheiten und Unterstellungen haben mit Meinungen nichts zu tun: Am anderen Ende der Leitung sitzt ein Mensch – man muss ihn nicht mögen, aber er hat Offenheit und Respekt verdient.

Unabhängig sein, unabhängig bleiben

Blogs profitieren von ihrer Unabhängigkeit. Große Transparenz gehört daher zur Verantwortung eines Bloggers: Leser sollten jederzeit prüfen können, wie stark auf einen Beitrag eingewirkt wurde.

Blogs sind heute ein fester Bestandteil der Medienlandschaft – wenn sie in Deutschland auch noch nicht in dem Maße angekommen sind wie beispielsweise in den Vereinigten Staaten. Wer sich über Netzkultur und den digitalen Wandel informieren möchte, findet in Blogs oft zu einem früheren Zeitpunkt und wesentlich fundiertere Informationen als in Magazinen und Zeitungen. Das ist gar keine Kritik an den „klassischen“ Medien – es liegt einfach an der hohen Spezialisierung, die in Blogs fernab redaktioneller Verfahren möglich ist:

  • Blogs können unabhängig von den Nachrichtenfaktoren der Massenmedien agieren – das ermöglicht ihnen, früher über aktuelle Entwicklungen zu schreiben.
  • Blogs sind meinungsbasiert und individuell. Wer ein Blog liest, schätzt den Input seines Autors; wer ein Nachrichtenmedium liest, schätzt die durch redaktionelle Abläufe gesicherte übergreifende Neutralität. Das Risiko, eine Entwicklung zu früh oder fehlerhaft aufgegriffen zu haben, ist daher bei Blogs nicht so groß wie für ein etabliertes Nachrichtenmedium – Irren ist menschlich, zudem genügt ein einfacher Folge-Beitrag, um seine Fehler aufzuarbeiten.
  • Besonders private Blogs unterliegen nicht den redaktionellen Zwängen von Magazinen. Thomas Knüwer hat beispielsweise vor ein paar Wochen herausgearbeitet, wie differenziert einzelne Blogs bei der Berichterstattung rund um das Fairphone vorgegangen sind und welche wichtigen Impulse sie der Diskussion gegeben haben.

Wenn Blogs sich auf diese Unabhängigkeit berufen und sie zum prägenden Faktor erheben, können sie aus Leser-Sicht eine sehr sinnvolle Ergänzung zu den etablierten Medien sein. Die Entscheidung darüber liegt jedoch beim Leser: Ich bin nicht unabhängig, weil ich es sage – der Leser entscheidet für sich selbst, ob er mein Blog als unabhängige Quelle wichtiger Informationen betrachtet. Als Blogger kann ich diese Entscheidung begünstigen, indem ich mich auf Transparenz berufe. Dies ist auch Teil des Pressekodex für Journalisten, wie es der geschätzte Autoren Michael Firnkes herausgearbeitet hat: „Blogger sind keine Journalisten, aber sie sollten so handeln“. Transparenz hilft den Leserinnen, Fragen nach der Unabhängigkeit eines Beitrags selbstständig zu beantworten und einzuschätzen. Beispiele dafür sind:

  • Handelt es sich um einen bezahlten Beitrag? Dann sollte er als Werbung oder gesponsort gekennzeichnet werden.
  • In welchem persönlichen oder geschäftlichen Verhältnis steht man als Blogger zum Thema eines Beitrags? Ein Beispiel: Testet man die App eines Freundes, mag man zwar nicht vollkommen neutral sein – dennoch kann ein Beitrag interessante Einblicke enthalten, etwa welche Gedanken man sich bei der Entwicklung oder der User Experience einer App macht.
  • Ist auf den Inhalt Einfluss genommen worden? In welcher Form und wie stark?
  • Gibt es eine Gegenleistung? Wenn ja, in welchem Umfang?

Interessant in diesem Zusammenhang: Das Blog, das die Blogparade „Blogger und Ethik“ ins Leben gerufen hat, gehört zur Kölner Rankseller GmbH, die sich auf Blog-Vermarktung spezialisiert hat. Dort treffen Publisher und Werbetreibende aufeinander und können die Modalitäten einer Zusammenarbeit klären – beispielsweise bei Advertorials oder Gastbeiträgen.

Personas und Gespräche helfen, seine Leser einzuschätzen

Beispiel für eine Persona namens „Michael“ mit detaillierten Informationen
Eine Persona ist ein fiktiver, aber fundierter Nutzer – man beschreibt ihn in allen Details, die notwendig sind, um sich in ihn hineinversetzen zu können.

Eine Idee möchte ich als Denkanstoß noch mitgeben: Wenn wir die Leserperspektive einnehmen, bewegen wir uns zwangsläufig auf unsicherem Terrain. Nicht alle Leser sind gleich: Weiß wirklich jeder, was ein „Advertorial“ ist? Wie genau müssen wir beschreiben, welche Einflüsse auf einen Beitrag gewirkt haben, bis wir ausreichend Transparenz gesichert haben? Bei der Beantwortung dieser Frage hilft eine klare Vorstellung davon, wie die eigenen Leser sind. Ein gutes Mittel dazu stammt aus der Webkonzeption: das Instrument der Persona. Dabei handelt es sich um fiktive, aber realistische Beschreibungen von Personen, mit deren Hilfe man sich besser in seine Leser hineinversetzen kann. Und: Sprecht einfach hin und wieder mit euren Lesern :)

Welche Aspekte sind euch als Blogger wichtig, wenn es um Ethik geht? Wie beurteilt ihr Glaubwürdigkeit und Qualität eines Blogs, wenn ihr darin liest?

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Grundstein für gute Websites https://rohles.net/artikel/webkonzeption-grundlagen-teil1 articles/website-concept-basics-part1 r Vor ein paar Wochen hatte ich Gelegenheit, im Namen unseres Alumni- und Studierendenvereins Medianetz Trier eine kurze Übung zum Thema „Webkonzeption“ an der Universität Trier zu veranstalten – und davon sollt ihr nun auch etwas haben. In diesem ersten Teil geht es zunächst um einige Grundlagen, die man für jedes Webprojekt im Auge behalten sollte, um ein klares Ziel zu definieren.

Ausgangsbasis

Den Anfang einer guten Konzeption macht eine ausführliche Bestandsaufnahme. Wer gute Arbeit leisten möchte, sollte sich mit der Branche und dem Auftraggeber ausgiebig vertraut machen. Was macht der Wettbewerb, und was davon macht Sinn? Zur Recherche zählen auch die individuellen Voraussetzungen beim Auftraggeber: Wer ist für die Website verantwortlich? Wer wird sich um die regelmäßige Pflege kümmern? Wer wird Support-Anfragen beantworten, und wie schnell wird dies geschehen? Solche und ähnliche Fragen entscheiden in nicht geringem Maße darüber, welche Maßnahmen und Ideen sinnvoll sind. Eine verwaiste News-Sektion auf der Startseite wirkt nicht gut. News schreiben kann man nicht mal eben nebenbei – es gilt also festzulegen, wer dafür verantwortlich ist, und dieser Person dann auch die Kapazitäten dafür zu schaffen.

Grafik mit wichtigen Konzeptionsphasen – wichtig für diesen Artikel ist die Unterteilung in Grob- und Feinkonzeption
Jens Jacobsen unterteilt die Konzeption in mehrere Phasen

Natürlich zählt auch das Briefing zur Evaluation der Ausgangsbasis, bei dem man ausführlich mit dem Auftraggeber spricht und Rahmenbedingungen des Projekts festklopft. Wichtig zu bedenken: Seine Ziele entsprechen nicht unbedingt auch denen des Kunden – man sollte sie zusammentragen, aber nicht als Projekt-Richtlinien verabsolutieren.

Sicheres Einkaufen – aber was heißt das konkret?

Ein Beispiel: In nahezu jedem E-Commerce-Projekt wird betont, wie wichtig ein „sicherer Einkauf“ sei. Das ist jedoch keine eindeutige Anforderung: Sicherheit kann technisch definiert werden, beispielsweise über SSL-Verschlüsselung – als Gütekriterium bringt das jedoch nur etwas, wenn die Kunden auch wissen, was SSL bedeutet. Sicherheit kann aber auch über Gütesiegel vermittelt werden – dabei sollte man darauf achten, dass die Siegel den Kunden auch etwas sagen und als Vertrauenskriterium taugen. Nicht zu vergessen außerdem: Sicherheit in punkto „Zahlung“ bedeutet für Betreiber und Kunde zweierlei – der eine möchte gerne zuerst das Geld auf dem Konto haben, bevor er die Ware verschickt, der andere genau umgekehrt. Kein Wunder, dass sich Anbieter wie Paypal als Lückenfüller etablieren konnten, indem sie als Zahlungsverfahren fungieren und gleichzeitig Käuferschutz bieten.

Zielgruppe und Nutzungsszenarien bestimmen

Eines meiner liebsten Zitate zum Thema „Zielgruppe“ stammt von Mario Pricken. Er schreibt in seinem Buch „Kribbeln im Kopf“:

Alle ist der größte Niemand.
Mario Pricken, „Kribbeln im Kopf“

Das klingt logisch, ist aber oft gar nicht so einfach: Allzu verführerisch ist eine Aussage wie „Eigentlich möchten wir jeden ansprechen, der sich für unsere Dienstleistung interessiert“ – was soll schon dagegen sprechen, seine Erfolgschancen zu maximieren, indem man niemanden ausschließt? Das Problem daran ist: Es funktioniert nicht, denn man müsste so vage und allgemeingültig bleiben, dass man niemandem wirklich gefällt. Es ist also wichtig, sich zu verdeutlichen, wer und vor allem wie die eigenen Nutzer sind – mit allen Eigenschaften, die dabei relevant sein könnten.

Zielgruppen mit Personas greifbar machen

Beispiel für eine Persona namens „Michael“ mit detaillierten Informationen
Eine Persona ist ein fiktiver, aber fundierter Nutzer – man beschreibt ihn in allen Details, die notwendig sind, um sich in ihn hineinversetzen zu können.

Ein gutes Hilfsmittel dazu sind Personas – fiktive, archetypische Nutzerprofile mit möglichst anschaulichen Details aus Leben und Charakter seiner Zielgruppe. Personas sind erfunden, aber dennoch fundiert: Ergebnisse aus Nutzer- und Marktforschung sollten ebenso Eingang finden wie Erkenntnisse aus persönliche Beobachtungen und Gesprächen. Es geht darum, den abstrakten Begriff der „Zielgruppe“ fassbar zu machen. Ist man sich unsicher, lautet die Frage: „Wie würde meine Persona darüber denken?“ – mit ein bisschen Einfühlungsvermögen kommt man so schnell zu guten Einschätzungen.

Tipp: Etwa 3–4 Personas pro Zielgruppe sollten es schon sein. Findet man später heraus, dass weitere Eigenschaften wichtig sind, kann man seine Persona-Sammlung jederzeit ergänzen oder überarbeiten.

Typische Handlungen mit Nutzungsszenarien erfassen

Eng mit den Zielgruppen verknüpft ist die Frage nach Nutzungsszenarien: Mit welcher Absicht und auf welchem Weg kommt eine Nutzerin auf meine Website? Die Grundfrage lautet meist: „Was kann ich hier machen?“ Konkreter wird es, wenn man sich ein wenig stärker in die Nutzer hineinversetzt und die Nutzungsabsicht klarer formuliert:

  • Kann ich hier kaufen, was ich suche?
  • Wo kann ich mich anmelden?
  • Gibt es hier einen Job für mich?
  • Wie lautet die Telefonnummer von Frau Müller aus der Buchhaltung?
  • Gibt es eine Filiale in meiner Nähe?
  • Ist dieser Shop sicher?

Nutzungsszenarien unterscheiden sich also von Projekt zu Projekt: Onlineshops werden anders verwendet als Nachrichten-Sites. Gemeinsam mit den Personas bilden sie ein wirkungsvolles Instrument, um sich in seine Nutzer hineinzuversetzen oder die Website in Usability-Studien zu evaluieren.

Beispiel Parship

Ein gutes Beispiel für klar definierte Nutzungsszenarien und Personas ist die Landing Page von Parship. Die Zielgruppe sind erwachsene Frauen und Männer auf der Suche nach einer ernsten Partnerschaft – die Website setzt daher viel darauf, einen seriösen Eindruck zu hinterlassen und setzt auf zahlreiche Siegel, Testergebnisse und Statistiken, um Vertrauen zu schaffen. Das Anmeldeformular ist einfach und deutlich gehalten („kostenlos anmelden“). Die stetig wechselnden Personen blicken den Betrachter direkt an und schaffen so emotionale Nähe – verbunden mit einem (vermeintlich) individuellen Statement.

Inhalte und Medien sammeln

Websites leben von der Qualität ihrer Inhalte – die gilt es daher zunächst einmal zusammenzutragen. Diese Phase kann bei einem Redesign sehr umfangreich sein – nicht selten entstehen Listen, Baumdiagramme und Tabellen aus mehreren Hundert Inhalten. Diese Verfahren kann man analog auch bei neuen Websites verwenden. Überlegt außerdem, welche Medien zum Einsatz kommen sollen. Gibt es Bilder, Audio, Video, Präsentationen zu einem Thema? Wenn nein – sollte etwas in dieser Art erstellt werden? Lasst auch von eurer Erfahrung und euren Erkenntnissen leiten, welche Medien besonders geeignet sind, um ein Thema adäquat zu präsentieren. Noch ein paar weitere Ratschläge für die Arbeit mit Medien:

  • für Abwechslung sorgen: Das hält die Inhalte lebendig und interessant.
  • Nutzungsszenarien im Blick behalten: Wer gerade mit dem Smartphone in der Bahn sitzt, wird vielleicht in Hinblick auf sein monatliches Transfervolumen keine Videos anschauen.
  • Barrierefreiheit und Vorlieben berücksichtigen: Alle wichtigen Inhalte sollten grundsätzlich verfügbar sein – auch dann, wenn jemand nur die Textinhalte zur Verfügung hat.

Wichtig außerdem: Welche Inhalte benötigt die Zielgruppe noch, an die man bisher noch nicht gedacht hat? Dabei kann ein Werkzeug wie der Google Keyword Planner sehr helfen, mit dem man häufig gesuchte Begriffe und Themen herausfinden kann.

Ziel der Website definieren

Mit all dem ausgerüstet, lässt sich endlich das Ziel der Website definieren. Gute Ziele kann man überprüfen. Ein häufig verwendetes Hilfsmittel ist die SMART-Formel:

  • S = spezifisch: Das Ziel sollte klar, deutlich und exakt beschrieben sein.
  • M = messbar: Ein gutes Ziel sollte messbar sein, damit man es überprüfen kann. Dazu zählt auch sich zu überlegen, wie man den Erfolg überprüfen kann.
  • A = ausführbar oder akzeptiert: Ziele sollten realisierbar sein, und man sollte sich darüber einig sein.
  • R = relevant oder realistisch: Vorsicht vor Scheinzielen. Dazu zählen beispielsweise Ziele, die auf Grund mangelnder Voraussetzungen unrealistisch sind („In einem Monat erreichen wir ohne nennenswertes Marketing riesige Verkäufe“). Zudem sollte man sich immer wieder kritisch fragen, ob die Ziele wirklich relevant sind – sonst verwechselt man allzu leicht Ziel mit Mittel. Das Ziel lautet beispielsweise, mehr Smartphones über seinen Onlineshop zu verkaufen – nicht, bei Google auf Position 1 für das Keyword „smartphone“ zu stehen, wenngleich dies eine Möglichkeit sein kann, sein Ziel zu erreichen.
  • T = terminiert: Schließlich sollte man sich einen Zeitpunkt setzen, an dem man ein Ziel erreicht haben möchte – und dann prüfen, ob man es geschafft hat. Ohne Termin machen Ziele keinen Sinn, denn man hält nie zur Analyse inne und kann demnach auch niemals gegensteuern – und wer weiß, vielleicht erreicht man die Ziele ja von alleine nächsten Monat, oder nächstes Jahr, oder…

Wie geht es weiter?

Im zweiten Teil geht es um Informationsdesign, Navigationskonzepte, Interaktionsdesign und Wireframes als Werkzeuge zur Konzeption von Websites.

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Blogs im PR-Mix https://rohles.net/artikel/blogger-relations articles/blogger-relations r Gründe für Blogger Relations aus Unternehmenssicht

Welche Gründe gibt es, überhaupt in Blogger Relations zu investieren? Die Pluspunkte entstehen aus den spezifischen Eigenschaften des Mediums „Blog“:

  • Chance auf unabhängige Meinungen: Blogs werden häufig unabhängig eines redaktionellen Hintergrunds geführt – Autorinnen schreiben ihre persönliche Meinung, und zwar in der Art, wie sie es für richtig halten. Oft handelt es sich um Meinungsführer in ihrem Umfeld – Unternehmen können also von ihrem Einfluss profitieren. Gleichzeitig gilt: Kontrolle abgeben – was ein Blogger konkret schreibt, ist seine Sache. Wer regelmäßige Kontakte zu Bloggern pflegt, hat die Chance, sich einen wichtigen Multiplikator dauerhaft zu sichern – und nimmt man fundiertes Feedback ernst, kann man sein Produkt oder seine Dienstleistung zunehmend interessanter machen.
  • Suchmaschinenoptimierung: Blogs genießen durch ihre Aktualität und ihre Fokussierung auf Inhalte oft einen guten Stellenwert bei den Suchmaschinen – von reinen Spam-Blogs einmal abgesehen. Unternehmen profitieren daher davon, wenn ein Blog einen Link auf die eigene Unternehmens-Website setzt. Sofern dieser Link inhaltlich begründet und nicht etwa durch Geld- oder Sachmittel erworben wurde, ist dagegen auch aus Sicht der Suchmaschinen-Richtlinien nichts einzuwenden.
  • Erschließung neuer Zielgruppen: Blogleser sind häufig treu – sie vertrauen einem Autor und folgen seinen Links und Empfehlungen. Für Unternehmen bietet das die Chance, auf ihre Produkte oder Dienstleistungen aufmerksam zu machen – idealerweise innerhalb der relevanten Zielgruppe. Insbesondere in Branchen, in denen dies über klassische Kanäle nicht mehr gut möglich ist, bilden Blogger Relations daher ein wichtiges Standbein im eigenen PR-Mix.

Für Blogger Relations sprechen eine Reihe von Gründen – insbesondere netzaffine Produkte und Dienstleistungen kommen ohne Blog-Unterstützung kaum noch aus. Allerdings bieten sich auch in anderen Bereichen große Chancen. Berufsbedingt erforsche ich gerade ein wenig, was das Social Web im Bereich des Handwerks zu bieten hat – das ist ein sehr spannender Bereich, der zeigt, dass Blogs auch abseits der digitalen Avantgarde sinnvoll eingesetzt werden können.

Großes PR-Potenzial durch Blogger Relations

Wer mehr handfeste Überzeugungskraft benötigt, um eine Lanze für Blogger Relations zu brechen, findet Antworten in zwei Studien, die in der letzten Zeit veröffentlicht wurden. Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2013 verzeichnet beispielsweise in der Nutzung von Blogs einen Anstieg von 7 auf 16 % – was, wie Klaus Eck richtig anmerkt durchaus noch höher sein kann, bedenkt man die Ungewissheit, was denn nun eigentlich alles als Blog gelten kann.

91 % der Befragten geben in einer Studie des Blog-Vermarkters Rankseller an, für Kooperationen mit Unternehmen offen zu sein. Trotz einiger Vorsicht (immerhin geht aus der Rankseller-Pressemeldung nicht hervor, wie die Befragten ausgewählt wurden) zeigen diese Zahlen deutlich: Sowohl von Blogger- als auch Leser-Seite verfügen Blogger-Relations über ein enormes Potenzial.

Tipps für erfolgreiche Blogger Relations

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein paar persönliche Tipps mitgeben, die mir im Rahmen meines Blogschreibens wichtig geworden sind:

  1. Blogger persönlich ansprechen: Gelungene Blogger Relations basieren darauf, Blogger als Menschen wahrzunehmen – das gilt umso stärker, als gerade unter Bloggern viele Schreiber ohne professionellen Hintergrund anzutreffen sind. Individuelle Anfragen müssen also sein, und dazu gehört natürlich auch, sich etwas Zeit zu nehmen und sich zu fragen, ob das Blog wirklich gut zum eigenen Kommunikationsinteresse passt. Nur, weil ich irgendwann einmal mit einem Designer gesprochen habe, der Mode macht, bin ich noch kein Modeblogger. Erfolgreiche Kommunikation fängt damit an, zuhören zu können.
  2. Etwas zurückgeben: Eng verwandt mit Tipp 1 („Blogger als Menschen wahrnehmen“) ist die Idee, etwas zurückzugeben – das gilt insbesondere, wenn es sich nicht um einen Sponsored Post handelt. Wer etwas aus dem Social Web bekommen möchte, sollte auch etwas zurückgeben wollen. Ideen dazu hat Klaus Eck in seinem Beitrag zur Blog-Parade veröffentlicht, beispielsweise einen Gastbeitrag oder ein Interview im Unternehmensblog im Austausch. Persönlich schaue ich jedoch auch immer, was ein Unternehmen von sich aus im Netz gibt, bevor ich auf eine Anfrage antworte. Praktische Tipps im eigenen Unternehmensblog, Fotos und Texte unter Creative-Commons-Lizenzen oder ein verantwortungsbewusster Umgang mit Kritik über Social Media sind klare Pluspunkte, die mich einer Zusammenarbeit positiv gegenüberstehen lassen.
  3. Vorher fragen: Eigentlich trivial – vor den Blogger Relations steht die Anfrage, ob eine Bloggerin überhaupt dabei mitmachen möchte. Leider nicht immer selbstverständlich, denn manchmal findet man sich ohne thematischen Bezug oder vorhergehende Berichterstattung in einem PR-Verteiler wieder – die Daten seien halt öffentlich verfügbar.

Hintergrund für diesen Beitrag

Die Inspiration für diesen Beitrag verdanke ich Mike Schnoor, der vor einigen Wochen zur Blogparade über Blogger Relations aufgerufen hat. Es bleibt spannend: Die Ergebnisse möchte er in einem E-Book zusammenfassen – ihr werdet hier darüber lesen, denn die Beiträge, die ich bisher gelesen habe, versprechen spannende und inspirierende Tipps und Meinungen rund ums Thema.

Nachtrag (28. Juli 2014): Tino Schade hat sich einige Gedanken zur Ansprache unterschiedlicher Blogger-Typen gemacht, die durchaus lesenswert sind. Er identifiziert darin Linkverkäufer, Geldverdiener, Ego-Blogger sowie Themen-Enthusiasten und gibt Ratschläge für den Umgang mit ihnen.

Welche Tipps habt ihr, um erfolgreich mit Bloggern Pressearbeit aufzubauen? Spielen Blogs in eurem Umfeld eine Rolle?

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Schreibblockade als Chance https://rohles.net/artikel/schreibblockade-chance articles/schreibblockade-chance r Chance Selbstorganisation: Hügel statt Berge

Woher kommen Schreibblockaden? Weil es keine Themen mehr gibt? Weil man als Autor keine Meinung mehr hat? Ich habe den Eindruck, dass viele Gründe für Schreibblockaden tiefer liegen.

Schreibmaschine ohne Papier
Wer sich durch Schreiben als Expertin positionieren möchte, muss in die Tasten hauen – was aber, wenn man sich blockiert fühlt?

Schreibblockaden können entstehen, wenn man das Gefühl bekommt, am Fuß eines Berges zu stehen. Berge sind riesig, und wenn wir direkt vor ihnen stehen, sehen wir noch nicht einmal ihre Spitze – wer will mir eigentlich sagen, ob der Berg nicht viel höher ist als ich denke? Im Ergebnis fühlt man sich klein und wagt sich nicht an den Anstieg – und wer nicht anfängt, kann auch niemals ankommen.

Die Strategie dagegen ist recht einfach: die Strategie der kleinen Schritte. Man zerteilt den Berg einfach in mehrere Hügel – die wirken überwindbar, ohne sich übermäßig anstrengen zu müssen. Diese Hügel können ganz unterschiedlicher Art sein:

  • Brainstorming für die wichtigen Inhalte – was muss unbedingt in den Beitrag hinein, was ist eher Randthema?
  • eine Gliederung mit den zentralen Argumenten erstellen, sozusagen „Struktur-Hügel“ – das kann so weit gehen, sich für jeden Absatz zu fragen, welche Funktion er im Gesamt-Zusammenhang erfüllen soll
  • die Gesamtaufgabe „neuen Beitrag schreiben“ in kleine Häppchen zerlegen – Aufgaben wie „die zehn wichtigsten Schlagworte suchen, die den Artikel beschreiben“ oder „eine fesselnde Überschrift überlegen“ geht man gerne an, weil das Ziel klar und der Aufwand einschätzbar ist
Aufnahme eines Bergs in den Alpen
Wer seine Aufgaben als Berge betrachtet, kommt kaum hinauf.

Es geht also darum, ein Thema in kleinere Einheiten einzuteilen, die sich besser abarbeiten lassen. Hat man das erledigt, geht das Schreiben oft fast schon von alleine. Man hat ein klares Ziel für den Beitrag und jeden Absatz vor Augen und zugleich einen objektiven Maßstab, welche Fortschritte man bei seinem Schreibvorhaben schon gemacht hat und ob ein Text wirklich erfüllt, was man sich vorstellt. Dieser Aspekt ist besonders wichtig, wenn man von einer weiteren Ursache von Schreibblockaden betroffen ist: Immer höher, immer schneller, immer weiter.

Chance Anti-Perfektionismus: Ansprüche regulieren

Perfektionismus und Schreibblockaden gehen Hand in Hand. Je wichtiger einem Autor die eigene Leistung ist, umso größer ist die Gefahr, in die Schreibblockaden-Spirale zu fallen: Ich möchte unbedingt gute Texte abliefern, aber was ich schreibe, scheint mir nicht gut genug. Das erzeugt Druck und demotiviert. Also will ich es besser machen – mehr Druck entsteht. Je mehr ich es versuche, umso schneller dreht sich die Spirale. Am Ende beginne ich immer wieder von Neuem, verwerfe meine Ergebnisse sofort, und komme niemals zu einem fertigen Beitrag.

Dagegen hilft nur eine neue Strategie – den Druck wegnehmen. Tut etwas anderes, und vor allem: Genießt es. Auch eine gute Taktik: Schreibt  einmal etwas, das bewusst nicht perfekt ist – eine lose Gedankensammlung, die eure Unsicherheit zum Ausdruck bringt, oder eine Auflistung von Fragen, die euch gerade beschäftigen. Das lässt euch menschlich erscheinen, und wenn ich mich für euch als Autor interessiere, möchte ich euch als Mensch wahrnehmen können – da gehören Zweifel, Unsicherheiten und Fragen dazu. Nicht zuletzt kann mich das auch von eurer Expertise überzeugen, denn große Kompetenz zeigt sich oft darin, dass jemand in der Lage ist, die richtigen Fragen zu stellen.

Zwei Schilder weisen in verwirrend in gegenläufige Richtungen
Auch wer Fragen stellt und auf ungeklärte Aspekte hinweist, kann auf seinem Weg als Autor weiterkommen.

Schreibblockaden sind so eine Chance, die eigenen Ansprüche auf den Prüfstand zu stellen und sich realistische Erwartungen anzutrainieren. Die 37signals-Gründer Jason Fried und David Heinemeier Hansson haben dies in ihrem sehr lesenswerten Business-Buch „Rework“ auf eine einfache Formel gebracht: „Good Enough is Fine“ – Gut genug ist in Ordnung. Nicht jeder Beitrag muss ein Meisterwerk sein – viel wichtiger ist es, überhaupt etwas zu schreiben.

When good enough gets the job done, go for it. It's way better than wasting ressources on, or even worse, doing nothing because you can't afford the complex solution. And remember, you can usually turn good enough into great later.
Jason Fried und David Heinemeier Hansson: Rework, Crown Publishing, New York 2010, S. 113

Chance Flexibilität: Wege aus der Ideenlosigkeit

Schließlich kann es sein, dass eine Schreibblockade entsteht, wenn einem einfach nichts einfallen will – obwohl es Themen in großer Zahl gibt, bekommt man keinen Zugang dazu, was man konkret machen könnte. Vier Ideen möchte ich euch mitgeben, die mir selbst immer wieder geholfen haben:

  1. Themenreihen planen: Ein ganz praktischer Tipp gegen Schreibblockaden können Themenreihen sein. Sie helfen dabei, konstant an Themen zu arbeiten, die einem selbst wichtig sind, und sich zugleich mehr und mehr als Experte zu positionieren. Außerdem helfen Themen dabei, die Inhalte zu reduzieren und zu strukturieren.
  2. Inhalt kuratieren: Inhalte anderer Menschen auszuwählen, zu kommentieren und seinen eigenen Lesern zu empfehlen ist eine wertvolle Aufgabe – natürlich stets mit Quellenangabe und Link. Diese Wegweiser-Funktion hat sehr viel mit gutem Journalismus zu tun und wird umso wichtiger, je mehr Auswahl es gibt. Zudem nimmt sie einer Autorin etwas den Druck, von dem ich vorhin gesprochen habe: Es ist vollkommen okay, Inhalte anderer Menschen zu empfehlen, wenn man selbst gerade keine zündende Idee hat.
  3. Perspektive ändern: Gerade Fachautoren haben hin und wieder Schwierigkeiten, einen neuen Zugang zu ihrem Thema zu finden – sie haben den Eindruck, es sei schon alles in den zahlreichen Artikeln zuvor gesagt worden. Dagegen hilft es, bewusst eine andere Perspektive einzunehmen. Ihr habt bisher für ein Fachpublikum geschrieben? Dann fragt euch einmal, wie ihr das Thema einem Kind erklären könntet. Was denken andere Berufsgruppen über ein Thema, von dem sie betroffen sind – zum Beispiel Programmierer, Entscheiderinnen, Konsumenten? Es spricht übrigens auch nichts dagegen, einmal eine witzige Idee auszuprobieren, die beim Perspektivwechsel gekommen ist – wenn ihr beispielsweise über ein Software-Update schreiben möchtet und der Quelltext sprechen könnte, was würde er über die jüngsten Änderungen seiner selbst denken? Hin und wieder darf es ruhig abwegig werden.
  4. Darstellungsformen ändern: Beschäftigt euch ruhig einmal mit den verschiedenen Darstellungsformen – dazu gibt es ausführliche Literatur beispielsweise aus der Journalisten-Ausbildung oder auch der Literaturwissenschaft. Spielt und experimentiert mit den Darstellungsformen: Verfasst einmal eine Glosse zu eurem Fachthema, oder interviewt euch einmal selbst. Solche Experimente machen Spaß, motivieren und untermauern eure Kreativität.

Wie seht ihr Schreibblockaden, und wie geht ihr mit ihnen um? Habt ihr Tipps?

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Wissen in Serie https://rohles.net/artikel/themenreihen-reputation articles/themenreihen-reputation r Die Inspiration zu diesem Beitrag verdanke ich Kerstin Hoffmann. Ihr Buch „Prinzip Kostenlos“ ist derzeit eine meiner stärksten Inspirationsquellen – sie beschreibt darin, wie sich Freiberufler und Unternehmen als Experten auf ihrem Gebiet positionieren können. Die Idee ist, Wissen kostenlos zur Verfügung zu stellen, um Mehrwert für ihre Leserinnen zu schaffen. Dies dient dem Aufbau eines guten Rufs, um individuelle Beratungs- und Service-Leistungen anschließend wirtschaftlich verwerten zu können. Dieses Konzept lässt sich gut zur Bildung einer eigenen Marke verwenden, die untrennbar mit der eigenen Person verbunden ist und gutes Differenzierungspotenzial zu anderen Dienstleistern bietet.

Ich bin die Marke.

Den Begriff der „Ich-Marke“ verdanke ich einem weiteren Werk: „Die stärkste Marke sind Sie selbst!“ von Jon Christoph Berndt. Der Autor überträgt dabei Marketing-Erkenntnisse auf den einzelnen Menschen und ergänzt sie mit allerlei Lebensphilosophie.

Die Marken-Persönlichkeit des Menschen beschreibt, wer er ist und wie er ist; was ihn ausmacht und was sein wahrer Antrieb ist.
Jon Christoph Berndt, Die stärkste Marke sind Sie selbst!, S. 14

Jon Christoph Berndt entwickelt verschiedene Modelle für eine Marken-Persönlichkeit, von denen ich das Markendreieck besonders hilfreich in Bezug auf Themenreihen fand – hier meine Interpretation davon.

Grafik mit dem Markendreieck: in jeder Ecke steht ein anderer der beschriebenen Bereiche
Markendreieck nach Jon Christoph Berndt, bestehend aus der Herausstellung „ich habe“, dem Wettbewerbsvorteil „ich durchbreche Normen“; ich würde es als „ich kann besser“ formulieren sowie dem Gesellschaftsbeitrag „ich leiste“

Das Markendreieck besteht aus drei zentralen Elementen:

  • Herausstellung: Dies ist die klassische „Unique Selling Proposition“ (USP) – etwas, das die eigene Leistung einzigartig macht. Für Freiberufler lässt sich das meist recht einfach beantworten: Wenn ich meine eigene Leistung vermarkte, bin letztlich ich selbst die USP – außer mir würde niemand eine Leistung auf die gleiche Art erzeugen können. Das gilt es herauszuarbeiten.
  • Wettbewerbsvorteil: Auch wer sich selbst vermarktet, braucht etwas, in dem er besonders gut ist – einen Vorsprung vor anderen in ähnlichen Bereichen. Das ist nicht einfach, gerade für Dienstleistungen jedoch zentral. „Ich kann auch fotografieren oder Webseiten gestalten oder Musik auflegen!“ ist nicht sehr überzeugend. Aber keine Sorge: Es gibt ausreichend Arten, wie man fotografieren, Webseiten gestalten oder Musik auflegen kann, um genügend Differenzierungspotenzial zu entfalten (über den Rest entscheidet sowieso der Markt). Nun gilt es „nur“ noch, das herauszuarbeiten.
  • Gesellschaftbeitrag: Die Königsstrategie – das berühmte „Will ich haben“-Gefühl. Brauchen wir Schokolade? Wohl kaum – wir wollen Schokolade. Ganz ähnlich ist das bei Dienstleistungen jedweder Art: Erfolgreich werdet ihr nur sein, wenn eure Kunden selbst den Wert des Angebots erkennen – wenn ihr damit einen Beitrag leisten könnt, der relevant genug ist, um sich damit zu beschäftigen oder sogar dafür zu bezahlen. Kerstin Hoffmanns Wissensstrategie ist ein gutes Verfahren, den eigenen Gesellschaftsbeitrag unmittelbar erfahrbar zu machen, denn Mehrwert für den Leser ist das zentrale Qualitätskriterium dabei.

Themenreihen als Triebfeder der Ich-Marke

Ich glaube, dass Themenreihen sehr gut dazu geeignet sind, die eigene Marken-Persönlichkeit erfahrbar zu machen:

  • Themenreihen arbeiten den eigenen USP heraus, denn oft erscheint dieser nicht deutlich genug aus einem einzelnen Beitrag. Einmal ist Zufall, zweimal ist Glück, dreimal ist System – nur, wer durch regelmäßige Beiträge Expertenstatus untermauert, kann wirklich als Experte durchgehen und mit Recht behaupten, nicht einfach durch zufälliges Kopf-Senken das ominöse Korn gefunden zu haben. Ein weiteres Plus: Themenreihen erlauben, seinen Expertenstatus glaubhaft in Unterbereiche zu gliedern – auf diese Weise muss man nicht jeden Aspekt seiner Tätigkeit jederzeit durchscheinen lassen.
  • Themenbereiche helfen dabei, sich von anderen abzugrenzen, denn sie erlauben es, eigene Standpunkte deutlich zu machen. Wer eine Reihe über Webdesign-Trends schreibt, zeigt dass er auf dem Laufenden ist und erhält zugleich die Chance, selbst etwas dazu beizutragen – sei es durch eine Ergänzung oder eine fundierte Meinung. Das hilft, die eigene Rolle als Freiberufler zu untermauern – man ist Teil einer Gemeinschaft anderer Fachleute und zugleich ein unverwechselbares Individuum mit klarer Abgrenzung von anderen.
  • Themenreihen untermauern den Gesellschaftsbeitrag, denn durch ihre Regelmäßigkeit schaffen sie einen Wert, der über den einzelnen Beitrag hinausgeht. Wer beispielsweise eine Reihe über Social-Media-Tools schreibt, erzeugt zusätzlichen Wert über die Vergleichbarkeit, erspart seinen Lesern eigene Recherche-Arbeit und schafft das Vertrauen, auch über zukünftige Social-Media-Tools informiert zu werden.
Schubladen in einem Archiv
Themenreihen lassen sich gut auf Vorrat schreiben und helfen, den Autor in die richtige Schublade zu stecken

Gestaltungstipps für Themenreihen

Um diese Vorteile gezielt zu nutzen, helfen meiner Ansicht nach einige Maßnahmen:

  • Eine eindeutige und einpräsame Bezeichnung wählen: Jede Themenreihe sollte einen einheitlichen Namen besitzen (bei mir wären das beispielsweise „Lesestoff“, „Konzerttipps für die Region Trier und Luxemburg“, „Filme im Fokus“…), unter dem sich der Leser direkt etwas vorstellen kann. Ein bisschen Wortspiel ist erlaubt, so lange es nicht unverständlich wird; und idealerweise sollte die Bezeichnung daraufhin überprüft werden, ob die Zielgruppe wirklich danach sucht – Themenreihen können durch ihre Regelmäßigkeit große Vorteile in Punkto Suchmaschinenoptimierung bringen.
  • Themenreihen gruppieren und anschaulich bereitstellen: Dieser Aspekt wird mir erst in der letzten Zeit zunehmend bewusst und steht auf meiner ToDo-Liste für die nächste Neuausrichtung – Themenreihen werden greifbar, wenn man sie magazinartig aufbaut. In Blogs geht das recht einfach mittels einer eigenen Kategorie für die Reihe – das hat zusätzlich den Vorteil, dass sich eine Leserin den RSS-Feed einer gewünschten Themenreihe abonnieren könnte, ohne direkt das gesamte Blog abonnieren zu müssen.
  • Visuelle Wiedererkennbarkeit schaffen: Ein weiterer Aspekt aus der Reihe „persönlicher Nachholbedarf“ – eine einheitliche visuelle Gestaltung hilft dabei, Themenreihen greifbar und wiedererkennbar zu machen. Sehr gut macht dies beispielsweise Peer Wandiger in seiner Reihe zum Thema „Adsense Schritt für Schritt“: ein kleines typografisches Element hilft dabei, einen Beitrag direkt der Reihe zuordnen zu können.
  • Regelmäßig für Inhalte sorgen: Es ist recht einfach, regelmäßig mögliche Themen für die nächste Ausgabe einer Reihe zu sammeln – meist geschieht dies fast von alleine, wenn die Themenreihe einem persönlichen Interessensschwerpunkt entspricht. Die Leser erwarten eine gewisse Zuverlässigkeit. Dennoch sollte in der Zeitplanung ausreichend Spielraum für aktuelle Einzelbeiträge bleiben. Wie diese Balance konkret aussieht, sollte jeder Autor für sich selbst entscheiden – und es spricht nichts dagegen, seine Schwerpunkte je nach Bedarf zu verschieben.

Was sind eure Erfahrungen mit Themenreihen? Nutzt ihr sie, um eure Ich-Marke zu stärken? Oder bloggt ihr eher nach Lust und Laune?

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