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Multimediatreff 30 in Köln Technologien und Konzepte für die App-Entwicklung

Technologie Zuletzt aktualisiert: 7. Juni 2012 Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten
Schlagworte: Android, App, App-Entwicklung, iOS, Köln, Multimediatreff, Nokia Lumia 710, Phone Gap, Windows Phone 7

Am 25. und 26. Mai durfte ich – Technikload sei Dank – am 30. Multimediatreff in Köln teilnehmen. Thema: Entwicklung mobiler Applikationen. Lest hier über Grundlagen von Phone Gap, iOS und Android – und warum Windows Phone 7 zu überraschen wusste. Nicht verpassen solltet ihr auch die Empfehlungen für sinnvolle User Experience.

Next Generation Media: Visionen zum Start

Eröffnungsvorträge müssen ja tendenziell einen größeren Bogen spannen, und der Multimediatreff hatte mit Sascha Wolter einen echten Visionär am Start. Unter dem Begriff der „next generation media“ erläuterte er, wie Computer immer tiefer in alle Lebensbereiche eindringen. Die Folge: der Umgang mit ihnen wird zur zentralen Design-Herausforderung. Welche gelernten Verhaltensweisen gibt es – und sollte man vielleicht sogar mit einigen von ihnen brechen, weil es bessere gibt?

Einen praktischen Tipp für Entwickler und Konzepter hatte er unter dem Lego-Prinzip parat: Wenn Kinder mit Legos bauen, arbeiten sie zunächst mit ganz einfachen Formen, die sie später erweitern. Ähnlich sollten Entwickler vorgehen: Zunächst solle nur mit Prototypen gearbeitet werden, bis die konkrete Usability perfektioniert ist – erst danach geht es an die Fein-Umsetzung des Designs.

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Dank des Preisausschreibens bei Technikload konnte ich mich beim 30. Multimediatreff in Köln über App-Entwicklung informieren

Phone Gap: Das Einmal-Entwickeln-Versprechen

Mihai Corlan und Felix Rieseberg präsentierten eine kurze Einführung in die Entwicklung mit Phone Gap. Idee dahinter: Anwendungen in HTML5 entwickeln und über JavaScript-Schnittstellen auf die nativen Funktionen der Plattformen zugreifen, die von Phone Gap zur Verfügung gestellt werden. Zentraler Vorteil hier: Entwicklungsaufwand sparen, ohne auf zu viele Features verzichten zu müssen.

Ein sehr wichtiger Hinweis kam in der Diskussion auf: Plattformübergreifende Entwicklung ist keine Entschuldigung für schlechte Apps. Apps müssen die User Interfaces der jeweiligen Systeme berücksichtigen – realisierbar etwa über verschiedene CSS-Dateien für die einzelnen Plattformen.

iOS: Basics, Basics, Basics

Reiner Hoppe von der Agentur denkwerk führte kurz in die Entwicklung unter iOS ein. Dabei nannte er Preise, Entwicklungstools und Ablauf von Test und Veröffentlichung. Ein eigener Server sei nötig bei Push Notifications und dynamischen Inhalten – hier besonders wichtig, damit man nicht bei jeder Content-Änderung durch den Appstore muss. Unerwünscht seien bei Usern und Apple reine Web-View-Anwendungen, die einfach den Inhalt einer Webseite in eine App laden.

Insgesamt blieb er mir bei seinem Vortrag zu sehr im Allgemeinen. Er hatte auch keine Code-Beispiele parat – schade, denn genügend Wissen wäre vorhanden. Interessant fand ich seine Zusammenfassung von nativer versus plattformübergreifender Entwicklung.

Pro native Apps:

  • bessere Performance
  • höhere Akzeptanz beim User
  • flexible Weiterentwicklung
  • Unterstützung sämtlicher Plattform-Features

Pro Cross-Platform-Apps:

  • schnellere Entwicklung
  • wesentlich günstigerer Preis
Zahlreiche Magazine auf einem Tisch
Lesestoff gab es beim Multimediatreff zu Hauf – ob in Form kostenloser Magazine oder des umfangreichen Bücherstandes

Android: Par-Force-Ritt durch die Architektur

Der Androide durfte natürlich nicht fehlen; Till Klocke übernahm die Mini-Einführung. Dabei ging es erfreulich technisch zur Sache. Zunächst jedoch erzählte er von der Fragmentierung des Android-Markts sowie von Googles Bemühungen, Strategien zu bieten, damit umzugehen (etwa über die Fragments API). Nach einführenden Worten in die Struktur von Android-Apps gab er noch einige konzeptionelle Tipps mit. Apps sollten sich demnach auf ihre superpower konzentrieren – jenes eine Feature, das sie gut können; den Rest könne man anderen Apps überlassen. Für die Entwicklung von UX-Konzepten empfahl er die Android UI Utils. Wichtig auch: Ressourcen müssten stets in zwei Styles angelegt werden – für die SDK-Version ab 13 sowie für darunter.

UX-Konzepte: Gute Tipps für die Konzeption

Mein persönliches Vortrags-Highlight lieferte Johannes Fahrenkrug über mobile UX-Konzepte. Credo: Bedienbarkeit ist das zentrale Qualitätskriterium für Apps. Seine zehn Faustformeln sind so wertvoll, dass ich sie gerne hervorheben möchte – Details dann in der Präsentation, und Tipps zum Testen der Usability (mit Schwerpunkt auf Webseiten) habe ich einmal für t3n geschrieben.

  1. klares Konzept für die App – was auch bedeutet, dass es vielleicht doch keine App sein sollte
  2. klarer Fokus auf eine Zielgruppe oder Tätigkeit
  3. Vertrautheit mit dem Medium (inklusive der Plattform!)
  4. Ziel schnell erreichbar machen
  5. intuitive Bedienung statt Erklärungen
  6. keine unnötigen Unterbrechungen durch Alerts
  7. hohe Geschwindigkeit
  8. den Usern Entscheidungen abnehmen, wo möglich
  9. mobilen Kontext beachten
  10. unangenehme Überraschungen vermeiden

Windows Phone 7: Schwerpunkt mit Überraschungen

Schwerpunkt der Workshops bildete Windows Phone 7 – schließlich traten Microsoft und Nokia als zentrale Sponsoren auf. Das System wusste dabei durchaus zu überraschen – hatte ich es doch vorher nicht so im Detail auf dem Schirm.

Design: Mit der Metro auf den dritten Platz?

Interessant, wenn auch meist schon gelesen, war Felix Riesenbergs Vortrag über das Designkonzept von WP7. Microsoft wolle sich nicht mehr in die Reihe der Design-Metaphern stellen, bei denen analoge Dinge für digitale Prozesse stehen: Ledereinbände im Adressbuch, eingerissene Seiten im Kalender, Pseudo-Blätter-Effekte. Stattdessen solle man sich nicht mehr schämen, digital zu sein. Folgende Prinzipien stehen hinter dem WP7-Design, das auf den schönen Namen „Metro“ hört:

  • clean, light, open, fast: Konzentration auf den Haupttask
  • alive in motion: klare Navigation über Animationen
  • celebrate typography: Rückbesinnung auf typografische Prinzipien – Typografie sei ein erlerntes Informationsmanagement
  • content, not chrome: Konzentration auf den Content
  • authentically digital: keine Imitation analoger Elemente

Dieses Designkonzept finde ich – so viel sei hier schon verraten – äußerst spannend und erfrischend anders. Eine große Herausforderung wird jedoch, die Entwickler (und besonders die Designer) davon zu überzeugen und einen sinnvollen Spagat zwischen Übernahme der Microsoft-Design-Prinzipien und eigenem App-Branding zu finden. Schön sehen kann man das etwa an der Wunderlist-App, in der dann doch wieder Holzhintergründe vorherrschen – weil es eben das eigene CI darstellt.

Windows Phone 7: Ein Blick unter die Haube

Aber natürlich ging es abgesehen davon ausgiebig um die Technik. Tom Wendel und Felix Riesenberg spielten sich dabei gegenseitig die Bälle zu – und wussten trotz Microsoft-Evangelisten-Dasein durchaus mit dem Image ihres Arbeitgebers zu spielen. DieEntwicklung für Windows Phone 7 kann prinzipiell mit zwei Tools erfolgen:

  • Expression Blend: Dieses Tool auf Basis von Microsofts Silverlight erlaubt einfache Apps und richtet sich an die Designer. Es erinnert stark an Adobes Flash: Objekte können gezeichnet und mit Eigenschaften versehen werden, darunter umfangreiche fertige Bibliotheken. Die Präsentationen waren durchaus eindrucksvoll – etwa ein kleiner Angry-Birds-Clone in 20 Minuten. Ausgefallene Programmierungen sind mit Blend jedoch nicht möglich – jedoch kann der Code aus Blend in Visual Studio geöffnet werden.
  • Visual Studio: Liegt Blends Schwerpunkt beim Design, so hat Visual Studio seine Stärke eindeutig beim Code. Besonders im High-Performance-Bereich sei Visual Studio die Entwicklungsumgebung der Wahl. Über Microsofts xna können damit zum Beispiel ausgefallene Spiele entwickelt werden, wie Tom Wendel an einem 3D-Pong zeigte.

Ein Schwerpunkt bildeten außerdem die APIs des Systems. Windows Phone 7 bietet Methoden, mit wenigen Zeilen Code auf zentrale Features der Hardware zuzugreifen: Interaktion mit der Kamera, Status-Updates auf Facebook und Twitter, Turn-by-Turn-Navigation. Spannend auch die Live Tiles – kleine Kacheln, die NutzerInnen sich auf den Startscreen legen können und die dann mit ihren beiden Seiten wichtige Informationen zeigen können, ohne dass die App geöffnet werden muss. Außerdem gab es eine Session zum Zugriff auf Networking, die ich aus meinen Notizen nicht mehr ganz beisammen bekomme – ich verweise euch auf die Videos, sobald sie verfügbar sind.

Ach ja, außerdem gab es noch einen kleinen Marketing-Vortrag von Jens Dissmann zum Stand bei Nokia. Kurzweilig und amüsant vorgetragen, aber inhaltlich nicht so ergiebig.

tl;dr: Für Querleser

Den Multimediatreff kann man rundum empfehlen. In der 30. Ausgabe ging es um Entwicklung mobiler Apps. Phone Gap bietet eine interessante Plattform für die Entwicklung einfacher Apps – soll es jedoch ans Eingemachte gehen, sind native Apps besser. iOS war mit sehr grundlegenden Infos vertreten, Android schon eher technisch. Windows Phone 7 bildete einen Schwerpunkt und überraschte mit einem durchdachten Designkonzept und sinnvollen Features für Entwickler. Johannes Fahrenkrug lieferte einen tollen Vortrag über UX-Konzepte mit zehn konzeptionellen Tipps. Ach ja, und die Pizza-Schlacht war weniger martialisch als befürchtet.

Jetzt seid ihr dran: Haben Microsoft und Nokia Chancen, sich ihr Stück vom Mobil-Kuchen zu sichern? Wie müssen Apps gestaltet sein, damit sie für euch funktionieren?